Iberische Halbinsel trotzt Europas Energiepreisschock – Wie Portugal und Spanien das schaffen - Energie | PriceONN
Während viele europäische Länder unter explodierenden Strompreisen leiden, behauptet sich die Iberische Halbinsel durch ihre Systemarchitektur und hohe erneuerbare Energienutzung. Dies zeigt, dass Elektrifizierung nicht teuer sein muss, wenn sie von fossilen Preismechanismen entkoppelt ist.

Ein hartnäckiger Irrtum über Energiekosten wird auf die Probe gestellt

Es gibt eine Behauptung, die in Energie-Debatten hartnäckig Bestand hat: Erneuerbare Energien und Elektrifizierung seien zwar notwendig, aber kostspielig. Oft wird dies als unvermeidlicher Kompromiss dargestellt – saubere Energie komme zu einem Aufpreis, während fossile Brennstoffe die günstigere und zuverlässigere Basislinie blieben. Diese Annahme wird nun mit der Realität konfrontiert. Und die Realität ist wenig freundlich zu ihr. Angesichts steigender Gaspreise, befeuert durch Spannungen im Iran und am Strait of Hormuz, erlebt Europa ein bekanntes Muster: Strompreise steigen in Regionen, die stark von Gas abhängig sind, während sie in anderen bemerkenswert stabil bleiben. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in Ideologie oder politischem Ehrgeiz. Es ist das Systemdesign. Und zunehmend offenbart sich eine einfache Wahrheit: Elektrifizierung ist nicht per se teuer. Teuer sind Systeme, die weiterhin an die Preisgestaltung fossiler Brennstoffe gekoppelt sind.

Die Iberische Halbinsel als Leuchtturm der Preisstabilität

Die deutlichste Illustration dieses Phänomens bietet die Iberische Halbinsel. Spanien und Portugal haben über Jahre hinweg ihre Kapazitäten für erneuerbare Energien, insbesondere Wind- und Solarenergie, massiv ausgebaut. Gleichzeitig verfügen sie über vergleichsweise begrenzte Stromnetzverbindungen zum restlichen europäischen Verbund. Dies hat eine Art „Inseleffekt“ geschaffen, bei dem lokale Marktdynamiken weniger stark von übergeordneten kontinentalen Preissignalen beeinflusst werden. Ein paar Klarstellungen sind hierbei wichtig. Sowohl in Spanien als auch in Portugal werden die Strompreise weiterhin nach dem Merit-Order-Prinzip bestimmt, bei dem die Grenzkosten der letzten eingesetzten Erzeugungsanlage den Großhandelspreis festlegen. Erneuerbare Energien mit nahezu null Grenzkosten senken tendenziell die Durchschnittspreise, wenn sie in Betrieb sind, und verdrängen teurere fossile Erzeugungsformen. Die Großhandelspreise für den Folgetag auf dem iberischen Markt lagen in den letzten Jahren typischerweise im Bereich von 60 bis 70 Euro pro Megawattstunde (MWh). Dies spiegelt zwar eine hohe Durchdringung erneuerbarer Energien wider, war aber immer noch von der Gaspreisbildung und gelegentlichem Bedarf an Spitzenlastabdeckung beeinflusst. Gleichzeitig bieten die reduzierte Nachfrage nach Gas und der signifikante Anteil erneuerbarer Kapazitäten einen zusätzlichen strategischen Vorteil: Diese Systeme sind inhärent besser gegen geopolitische Schocks isoliert, was zur Preisstabilisierung beiträgt, selbst wenn die globalen Kraftstoffmärkte volatil sind.

Das Ergebnis ist bemerkenswert. Während der gasgetriebene Preisdruck in weiten Teilen Europas die Stromkosten erneut in die Höhe treibt, sind die Großhandelspreise für Strom in Spanien und Portugal deutlich niedriger geblieben als in Ländern, die stärker von gasgebundenen Preisen betroffen sind. Frankreich, mit seinem starken nuklearen Rückgrat und minimaler Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen für die Stromerzeugung, verzeichnete eine ähnliche Stabilität. Im Gegensatz dazu sehen sich Länder, die stärker von gasgebundenen Preisgestaltungen abhängig sind, mit erheblich höheren Kosten konfrontiert. Deutschland und Italien beispielsweise verzeichneten kürzlich Großhandelspreise von weit über 150 Euro pro MWh, mit ähnlichen Mustern in Teilen Mittel- und Osteuropas. Dies ist keine temporäre Anomalie, sondern spiegelt einen strukturellen Unterschied in der Art und Weise wider, wie diese Systeme aufgebaut sind und wie Preise gebildet werden.

Das Missverständnis um die Kosten erneuerbarer Energien

Die gängige Wahrnehmung, dass erneuerbare Energien teuer seien, wurzelt in einem sehr spezifischen Kontext – einem, in dem fossile Brennstoffe immer noch den Grenzkostenpreis für Strom festlegen. In solchen Systemen führen selbst große Mengen an kostengünstiger erneuerbarer Stromerzeugung nicht zwangsläufig zu niedrigen Preisen. Stattdessen wird der Marktpreis oft durch die letzte benötigte Einheit zur Deckung der Nachfrage bestimmt, die häufig aus Gaskraftwerken stammt. Steigen die Gaspreise, steigen auch die Strompreise, unabhängig davon, wie viel günstiger Wind- oder Solarstrom bereits im System vorhanden ist. Dies erzeugt einen irreführenden Eindruck. Es lässt erneuerbare Energien kostspielig erscheinen, obwohl sie tatsächlich nur innerhalb eines Preisrahmens operieren, der von fossilen Brennstoffen dominiert wird. Das iberische Beispiel zeigt, was passiert, wenn diese Verknüpfung geschwächt wird.

In Spanien und Portugal führen die hohe erneuerbare Durchdringung und die geringere Anfälligkeit für kontinentale, gasgetriebene Preisbildung dazu, dass Strompreise häufiger von der kostengünstigen Erzeugung geprägt werden. Wenn Wind- und Solarenergie das Angebot dominieren, spiegeln die Preise deren Wirtschaftlichkeit wider und nicht die von importiertem Gas. Das System entkoppelt sich zwar nicht vollständig von den globalen Märkten, wird aber deutlich weniger empfindlich gegenüber ihnen. Deshalb können die Preise selbst bei volatilen Gasmärkten vergleichsweise niedriger und stabiler bleiben. Dies liegt nicht daran, dass erneuerbare Energien künstlich wettbewerbsfähig subventioniert werden, sondern daran, dass sie nach ihrer Errichtung Strom zu sehr geringen Grenzkosten produzieren. Der entscheidende Wandel ist kein technologischer, sondern ein struktureller.

Parallele Wege zur Stabilität: Kernkraft und Erneuerbare

Frankreich bietet ein paralleles Beispiel auf einem anderen Weg. Sein Stromsystem, das auf Kernkraft basiert und nur einen geringen Anteil fossiler Erzeugung aufweist, ist ähnlich wenig den Schwankungen der Gaspreise ausgesetzt. Der technologische Mix unterscheidet sich zwar von dem Spaniens, aber das Ergebnis ist vergleichbar: niedrigere und stabilere Strompreise während Phasen der Volatilität fossiler Brennstoffe. Der gemeinsame Faktor ist nicht, ob ein System auf erneuerbaren Energien oder Kernkraft basiert. Es ist das Ausmaß, in dem es sich zur Preisbildung auf fossile Brennstoffe verlässt. Reduziert man diese Abhängigkeit, wird das System widerstandsfähiger.

Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit begleiten oft Diskussionen über eine hohe Durchdringung erneuerbarer Energien. Doch die jüngsten Erfahrungen in Spanien stellen einige dieser Annahmen in Frage. Nach einem viel diskutierten Stromausfall machten offizielle Schlussfolgerungen deutlich, dass erneuerbare Energien nicht die Ursache waren. Das Problem lag woanders, was einen breiteren Punkt unterstreicht: Die Stabilität des Systems hängt vom Netzmanagement, der Flexibilität und der Infrastruktur ab – nicht allein von der Anwesenheit erneuerbarer Erzeugung.

Elektrifizierung als strategische Preispolitik

All dies deutet auf eine breitere Schlussfolgerung hin, die in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht vollständig angekommen ist. Elektrifizierung wird oft als Kostenbelastung dargestellt – ein notwendiger Schritt zur Dekarbonisierung, der mit höheren Preisen einhergeht. Doch in Systemen, in denen fossile Brennstoffe die Preisbildung nicht mehr dominieren, kann das Gegenteil der Fall sein. Strom wird günstiger, weil er nicht mehr an volatile Brennstoffmärkte gebunden ist. Die Preisstabilität verbessert sich, da weniger externe Schocks direkt in das System einfließen. Langfristig schafft dies einen strukturellen Vorteil für Volkswirtschaften, die ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduziert haben. Es geht hierbei nicht um kurzfristige Schwankungen, sondern um die langfristige Exposition.

Die nun in Europa sichtbare Divergenz spiegelt Entscheidungen wider, die über viele Jahre getroffen wurden. Einige Länder investierten frühzeitig in kohlenstoffarme Stromsysteme und reduzierten ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Andere bewegten sich langsamer oder hielten stärkere Verbindungen zwischen der Strompreisbildung und den Gasmärkten aufrecht. Diese Entscheidungen schlagen sich nun direkt in den Preisergebnissen nieder. Es wäre irreführend zu behaupten, dies sei ein einfacher oder risikofreier Übergang gewesen. Doch es wird immer deutlicher, dass die Kosten des Nichtstuns nicht neutral sind. Sie werden lediglich aufgeschoben. Und wenn sie eintreten, dann meist in Form von höheren Preisen und größerer Volatilität.

Europa kann die globalen Gasmärkte nicht kontrollieren, ebenso wenig wie es geopolitische Risiken eliminieren kann. Was es jedoch tun kann, ist zu entscheiden, wie stark es beiden ausgesetzt sein möchte. Die Vorstellung, dass erneuerbare Energien inhärent teuer sind, gehört zu einem System, in dem fossile Brennstoffe immer noch die Preisbildung dominieren. Während sich dieses System weiterentwickelt, ändert sich auch die Realität der Kosten. Die Iberische Halbinsel bietet einen Einblick in diese Realität. Ein System mit hoher erneuerbarer Durchdringung, gestützt durch die richtigen Marktbedingungen, kann niedrigere Preise und eine stärkere Isolation von externen Schocks liefern. Elektrifizierung ist in diesem Kontext nicht nur eine Klimastrategie. Sie ist eine Absicherung gegen Volatilität. Und je früher dies allgemein verstanden wird, desto eher kann die Debatte über veraltete Annahmen hinausgehen – hin zu einem System, das nicht nur sauberer, sondern grundlegend widerstandsfähiger ist.

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