Indiens LNG-Importe steigen 2025 rasant – GIIGNL sieht Markt unter Druck
Indien dominiert langfristige LNG-Kontrakte
Indien hat sich im Jahr 2025 zur dynamischsten Marktregion für langfristige Flüssigerdgaskäufe (LNG) entwickelt. Mit einem neu gesicherten Volumen von insgesamt 8,4 Millionen Tonnen pro Jahr (MTPA) übertraf das Land alle anderen Nationen, wie aus dem jährlichen Bericht 2026 der International Group of LNG Importers (GIIGNL) hervorgeht. Diese Entwicklung unterstreicht Indiens strategische Bemühungen, seine Energieversorgung zu diversifizieren und den Anteil von Erdgas am Energiemix signifikant zu erhöhen. Allein im vergangenen Jahr nahm Indien sein achtes LNG-Importterminal in Betrieb. Die Pläne sehen vor, den Anteil von Erdgas am gesamten Energiemix innerhalb eines Jahrzehnts nahezu zu verdoppeln, auf etwa 15%.
Die 8,4 MTPA wurden über Verträge mit sechs Hauptakteuren abgeschlossen. Darunter ragten IndianOil mit 4,7 MTPA und GAIL mit 1 MTPA heraus. Ebenfalls signifikante Volumina sicherten sich GSPC (1 MTPA), Torrent Power (0,69 MTPA), BPCL (0,5 MTPA) und HPCL (Volumen nicht offengelegt). Laut GIIGNL spiegeln diese abgeschlossenen langfristigen Lieferverträge eine koordinierte Ausweitung der Importkapazitäten wider, die durch eine steigende Inlandsnachfrage nach Gas angetrieben wird.
Globaler LNG-Markt erlebt Kontrakt-Boom
Das Jahr 2025 war für die gesamte LNG-Industrie ein außergewöhnlich aktives Kontraktierungsjahr. Insgesamt wurden 83 langfristige Gaslieferverträge (SPAs) unterzeichnet, fast doppelt so viele wie die 47 im Vorjahr 2024. Die offengelegten, neu vertraglich vereinbarten Volumina beliefen sich auf beeindruckende 71,6 MTPA, verteilt auf 76 Abkommen. Dies stellt eine Steigerung von rund 30% gegenüber dem Vorjahr dar.
Die Aktivität bei kurzfristigen SPAs nahm ebenfalls zu, von 7 auf 13 Verträge. Allerdings ging die Zahl der Absichtserklärungen (HOAs) von 21 auf 12 zurück. Dieser starke Anstieg bei langfristigen LNG-Kontrakten weltweit wird laut GIIGNL durch zwei strukturelle Kräfte angetrieben: ein anhaltendes Nachfragewachstum in wichtigen Importmärkten und eine Welle von Verflüssigungsprojekten, die Abnahmezusagen benötigen, um die endgültige Investitionsentscheidung (FID) zu erreichen.
Geopolitische Spannungen belasten den Markt
Die GIIGNL hebt in ihrem Bericht zudem die Auswirkungen der jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten hervor. Insbesondere die Verluste von katarischen Ladungen, bedingt durch einen iranischen Raketenangriff im März und die Abhängigkeit Katars vom offenen Seeweg durch die Straße von Hormus, führen zu einer erheblichen Verknappung des Marktes. Kurzfristige Ersatzoptionen bleiben begrenzt.
„Alternative Lieferungen aus dem atlantischen und pazifischen Becken können die fehlenden katarischen Ladungen nur teilweise ausgleichen“, erläutert die GIIGNL. „Viele asiatische Märkte sind bereits stark ausgelastet und operativ exponiert.“ Die Konsequenzen für die Versorgung seien in allen Störungsszenarien erheblich, so die Gruppe weiter. Dies erhöht den Druck auf die verfügbare LNG-Menge und könnte die Preise weiter beeinflussen.
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