Trump pumpt fast 700 Millionen Dollar in die sterbende Kohleindustrie und beruft sich dabei auf ein Kriegsgesetz - Forex | PriceONN
Die Trump-Regierung lenkt am Donnerstag knapp 700 Millionen Dollar an Bundesmitteln in die US-Kohlebranche, gestützt auf ein Gesetz aus der Zeit des Koreakriegs. Im Zentrum stehen 425 Millionen Dollar für 13 bestehende Kraftwerke und ein lange blockiertes Exportterminal in Kalifornien.

Wie belebt man eine Branche wieder, die seit fast zwei Jahrzehnten schrumpft? Die Antwort der Trump-Regierung kommt an diesem Donnerstag in Form von rund 700 Millionen Dollar an Bundesmitteln. Es ist die größte einzelne staatliche Finanzspritze für die US-Kohle, seit Trump ins Amt zurückgekehrt ist. Bemerkenswert ist vor allem der rechtliche Hebel: Washington stützt sich auf den Defense Production Act, ein Gesetz, das ursprünglich verfasst wurde, um während des Koreakriegs die Stahlproduktion hochzufahren. Kohle wird damit kurzerhand zur Frage der nationalen Sicherheit erklärt.

Wohin das Geld fließt

Der größte Anteil, 425 Millionen Dollar, geht über den DPA an 13 laufende Kohlekraftwerke in West Virginia, Kentucky, North Carolina, Indiana, Tennessee, Arkansas, Arizona, Oklahoma, North Dakota und Wisconsin. Weitere 75 Millionen Dollar sind für das Oakland Bulk and Oversized Terminal in Kalifornien vorgesehen, eine Anlage, die langfristig bis zu 12 Millionen Tonnen Kohle aus Wyoming und Montana pro Jahr ins Ausland verschiffen könnte.

Zu den namentlich genannten Empfängern zählen die Versorger Duke Energy, Hallador Energy, Oklahoma Gas & Electric sowie eine Tochter von American Electric Power. Daneben legt das Energieministerium zusätzliche 185 Millionen Dollar an Zuschüssen außerhalb des DPA-Topfes auf. Dieses Geld unterstützt zwei brandneue Kraftwerke, eines in Alaska und eines in West Virginia, plus den Wiederanlauf der Station AES Warrior Run bei Cumberland im Bundesstaat Maryland. Die Entwickler Terra Energy Center Corp. und TerraPurus Inc. würden eigene Mittel zuschießen und die Gesamtinvestition auf 386 Millionen Dollar heben. Käme es zum Spatenstich, wären dies die ersten neu gebauten Kohlekraftwerke des Landes seit 2013.

Ein Kriegsgesetz in neuer Rolle

Der DPA hat sich über die Jahre weit von seinen Schlachtfeld-Ursprüngen entfernt. Mit ihm wurden Atemschutzmasken in der Pandemie, Solarmodule und sogar Babynahrung mobilisiert. Doch kein Präsident hat ihn im Energiebereich derart aggressiv eingesetzt wie Trump. Im April 2026 erklärte er per Präsidialverfügung Kohlelieferketten und Grundlasterzeugung zu wesentlichen Bestandteilen der Verteidigung. Das knüpfte an eine Anordnung vom Februar an, die das Kriegsministerium zu Stromabnahmeverträgen mit Kraftwerken für Militärstützpunkte drängte.

Das eigentliche Argument stützt sich stark auf künstliche Intelligenz. Innenminister Doug Burgum stilisiert das Rennen um die KI-Führung zur Sicherheitsmission, bei der Kohle die stabile Grundlast liefert, nach der Rechenzentren hungern. Die Veranstaltung am Donnerstag, ein Auftritt um 15 Uhr im Oval Office, trägt den Titel "Beautiful, Clean Coal".

Hinter der Rhetorik steckt echter Druck auf das Netz. Die EIA erwartet, dass der US-Stromverbrauch 2026 auf 4.283 Milliarden Kilowattstunden klettert, nach 4.097 Milliarden im Jahr 2024. Die Kohleverstromung selbst legte 2025 um rund 13 Prozent zu, weil Versorger stillgelegte Kapazitäten für Spitzenlasten reaktivierten.

Der Zündpunkt Oakland

Die 75 Millionen Dollar für Oakland sind das brisanteste Stück. Umweltverbände bekämpfen das Terminal seit fast 20 Jahren. Sie warnen, offene Kohlewaggons würden angrenzende Wohnviertel verschmutzen und die globale Nachfrage weit über jede Klimafrist hinaus verlängern.

"Kohlemilliardäre mit Steuergeld zu stützen ist nur eine weitere Methode der Trump-Regierung, Umweltverschmutzer an die erste Stelle zu setzen", sagte Kit Kennedy, Managing Director für den Strombereich beim Natural Resources Defense Council. "Das Beste für die Luft, das Klima und unsere Stromrechnungen wäre, diese Kraftwerke in Würde vom Netz gehen zu lassen."

Ob Bundesmittel aus dem DPA das Genehmigungsverfahren Kaliforniens überrollen können, bleibt juristisch offen.

Was Anleger daraus lesen sollten

Für Händler ist dies eine politische Schlagzeile, die gegen einen strukturellen Trend ankämpft. Auf ihrem Höhepunkt 2007 lieferte Kohle mehr als die Hälfte des US-Stroms. Dieser Anteil ist seitdem auf grob 16 bis 17 Prozent abgestürzt, und die EIA sieht ihn 2026 in Richtung 15 Prozent rutschen, während die Erneuerbaren expandieren.

Entscheidend sind die Zweitrundeneffekte. Werte wie Duke Energy und Hallador Energy könnten bei Subventionsschlagzeilen Stimmungsschwankungen erleben, während Erdgas, der Brennstoff, der die Kohle verdrängt hat, der eigentliche Wettbewerbsmaßstab bleibt. Die stromhungrige Nachfrage der Rechenzentren verbindet diese Geschichte mit Versorgeraktien, industriellen Strompreisen und den breiteren Inflationserwartungen.

  • Taktische Chance: getrieben von Schlagzeilen und Gerichtsurteilen, nicht von einer strukturellen Trendwende.
  • Hauptrisiko: Klagen in Kalifornien und die hartnäckige Ökonomie billigen Gases könnten die Wirkung dämpfen, bevor ein einziges neues Kraftwerk anläuft.

    Wer hier positioniert ist, handelt eine Politik, keine Trendwende. Genau das macht den Unterschied zwischen einem kurzfristigen Stimmungsschub und einer dauerhaften Neubewertung der Branche.

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