Afrika als Profiteur der Nahost-Krise: Energieproduzenten im Vorteil - Energie | PriceONN
Die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten verzerren die globalen Energiemärkte und eröffnen afrikanischen Produzenten neue strategische Möglichkeiten. Während Europa nach alternativen Lieferanten sucht, rücken Länder wie Nigeria und Mosambik in den Fokus.

Energiekrise im Nahen Osten rückt Afrika ins Rampenlicht

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben die globalen Energiemärkte erheblich beeinträchtigt. Nach Schätzungen sind täglich rund 8 Millionen Barrel Rohöl und etwa 20% der globalen Flüssigerdgas (LNG)-Lieferungen betroffen. Seit Beginn der Eskalation Ende Februar sind die Preise für Brent-Rohöl um mehr als 50% auf etwa 110 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Dies hat auch Auswirkungen auf die Finanzmärkte, wobei der US-Aktienmarkt einen Verlust von fast 4 Billionen US-Dollar verzeichnete. Während Russland kurzfristig von höheren Ölpreisen und abgelenkten westlichen Partnern profitieren konnte, zeichnet sich nun ab, dass Afrika langfristig als bedeutender Gewinner aus dieser Krise hervorgehen könnte.

Die afrikanischen Energieproduzenten, die geografisch weitgehend vom Konfliktherd entfernt sind, erfahren einen strukturellen Vorteil. Nationen wie Nigeria, Libyen, Angola, Gabun, Mosambik, Namibia und Tansania werden zunehmend als risikoärmere Alternativen zu traditionellen Lieferanten aus dem Nahen Osten wahrgenommen. Europäische und asiatische Abnehmer bevorzugen zunehmend afrikanische Lieferungen, da die Versicherungsprämien niedriger und die Lieferzeiten kalkulierbarer sind als bei Transitrouten durch umstrittene Gebiete wie die Straße von Hormus oder das Rote Meer.

Afrika als aufstrebender LNG-Gigant

Besonders der aufstrebende Flüssigerdgas-Sektor (LNG) auf dem Kontinent zeigt eine vielversprechende Entwicklung. Die gesamte LNG-Exportkapazität Afrikas wird voraussichtlich von rund 80 Millionen Tonnen pro Jahr (mtpa) im Jahr 2025 auf über 175 mtpa bis 2040 ansteigen. Damit positioniert sich Afrika als ein entscheidender Akteur auf dem globalen LNG-Markt. Insbesondere die LNG-Exporte aus Subsahara-Afrika sollen bis 2034 um beeindruckende 175% zunehmen, von 30,9 Milliarden Kubikmetern (bcm) im Jahr 2024 auf 44,5 bcm. Diese Steigerung wird durch bedeutende Projekte in Mosambik, Angola, Äquatorialguinea, Nigeria und Kamerun vorangetrieben.

Der französische Energiekonzern TotalEnergies hat im vergangenen Jahr sein 20 Milliarden US-Dollar schweres LNG-Projekt in Mosambik wieder aufgenommen, das eine Kapazität von über 13 mtpa hat und dessen erste Produktion für 2029 geplant ist. Parallel dazu treibt Italiens Eni S.p.A. die Entwicklung des riesigen Gasfeldes Coral vor der Küste Mosambiks voran. Die schwimmende LNG-Anlage Coral South nahm 2022 die Produktion auf, während für das Projekt Coral North mit einer Kapazität von 3,5 mtpa eine endgültige Investitionsentscheidung (FID) getroffen wurde und die Produktion voraussichtlich 2028 beginnen soll. Auch ExxonMobil engagiert sich in Mosambik mit dem 30 Milliarden US-Dollar schweren Rovuma LNG-Projekt, das eine Kapazität von 18 mtpa anstrebt und dessen FID für dieses Jahr erwartet wird.

Trans-Sahara-Pipeline als europäische Alternative

Die globale Energiekrise beschleunigt auch die Umsetzung lang verzögerter Energieprojekte in Afrika. Ein prominentes Beispiel ist die 20 Milliarden US-Dollar teure Trans-Sahara-Gaspipeline (TSGP), die Erdgas aus Nigeria durch Niger und Algerien nach Europa transportieren soll. Nach einer einjährigen diplomatischen Pause haben Algerien und Niger die Wiederaufnahme der Bauarbeiten für März angekündigt. Dieses Projekt, das seit Jahrzehnten geplant ist, wird nun durch Europas dringenden Bedarf an einer Diversifizierung weg von russischen Energielieferungen vorangetrieben.

Die TSGP zielt darauf ab, bis 2027 jährlich 30 Milliarden Kubikmeter (bcm) Erdgas von Nigeria nach Europa zu liefern und stellt somit eine kritische Alternative zu russischen Gasimporten dar. Die Europäische Union hat ihre Abhängigkeit von russischem Erdgas bereits drastisch reduziert, von etwa 155 bcm im Jahr 2021 auf geschätzte 30 bcm pro Jahr bis 2025. Die Pipeline ist zudem Teil einer breiteren Strategie zur wirtschaftlichen Integration und zur Erschließung der über 200 Billionen Kubikfuß großen Gasreserven Nigerias.

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