Brent kippt nach 19 Prozent Absturz wieder ins Aufwärtsmomentum - Forex | PriceONN
Nach dem Höhenflug im April 2026 verlor Brent bis Ende Mai rund 19 Prozent, der schwächste Monat seit der Pandemie. Nun testet der Preis die Abwärtstrendlinie und sucht den Weg nach oben.

Erst 19 Prozent Einbruch, dann die leise Wende

Kaum ein Markt schwankte 2026 so heftig wie Rohöl. Im April 2026 trieb die Schließung der Straße von Hormus Brent auf die höchsten Notierungen je Barrel seit 2022 und schürte die Sorge vor einem dauerhaften Angebotsschock. Dann drehte das Drehbuch. Bis zum Monatsende war die Rally aufgelöst.

Der Preis gab im Mai rund 19 Prozent ab, der steilste Monatsverlust seit den tiefsten Tagen der Pandemie. Auslöser war kein zusätzliches Barrel, sondern Diplomatie. Die Waffenstillstandsgespräche zwischen den USA und Iran ließen jene geopolitische Prämie abfließen, die die Kurse nur Wochen zuvor aufgebläht hatte.

Die Angebotsseite verschärfte den Druck zusätzlich. OPEC+ einigte sich darauf, die Förderung im Juni um 188.000 Barrel pro Tag anzuheben und legte damit weiteres Gewicht auf einen ohnehin von seinen Hochs zurückweichenden Markt. Händler blieben verständlicherweise defensiv positioniert.

Und hier liegt der Haken. Selbst ein unterzeichnetes Abkommen löscht die zugrunde liegende Gefahr nicht aus. Die Risiken für den Tankerverkehr durch die Meerenge sind nicht verschwunden, und schon ein Anzeichen stockender oder scheiternder Verhandlungen könnte die Risikoprämie unmittelbar in den Preis zurückholen. Die Preisdaten zeigen, dass der Markt die Ruhe als bedingt behandelt, nicht als dauerhaft.

Was der Vier-Stunden-Chart verrät

Im Vier-Stunden-Zeitfenster hat Brent (XBRUSD) einen kurzfristigen Abwärtstrend ausgebildet, der nach der Umkehr vom 30. April Gestalt annahm und seinen Ausgang im Bereich von 114,5 nahm. Der Verkauf fand spät im Mai rund um die Zone bei 93 einen Boden, ein Niveau, das mit grüner Unterstützung zusammenfiel, bevor die Käufer zurückkehrten.

Diese Erholung läuft nun in einen Test hinein. Der Kurs drückt gegen die fallende Trendlinie und tastet die Oberkante des aktuellen Profils bei 99,600 ab, wobei er dieses Niveau eher als Unterstützung denn als Deckel behandelt. Das Profil selbst erstreckt sich zwischen 95,400 und 99,600.

Der Point of Control, also das Band mit dem dichtesten Handel während der Umkehrphase, liegt im Bereich von 96,950 bis 97,150. Oberhalb des Profils bildet 101,800 die erste ernsthafte Hürde; ein nachhaltiger Sprung über das Profil dürfte dieses Niveau zum nächsten Schlachtfeld machen. Rutscht der Kurs unter 99,600 zurück, wird der Point of Control zum logischen Polster für einen erneuten Anlauf nach oben.

Das Momentum neigt zur konstruktiven Seite. Der RSI und seine gleitenden Durchschnitte stehen bei 57, 55 und 49, wobei der Indikator über beiden Linien notiert und ihre aufwärts gerichtete Neigung auf festigenden kurzfristigen Aufwärtsdruck deutet.

Worauf das kluge Kapital jetzt blickt

Die entscheidende Variable für die kommenden Wochen ist klar umrissen: der Verlauf der Diplomatie zwischen den USA und Iran. Fortschritte halten die Risikoprämie gedrückt und begünstigen Seitwärtshandel; jedes Zeichen eines Bruchs könnte ein scharfes geopolitisches Gebot neu entzünden. An den Handelstischen wird betont, dass der US-Arbeitsmarktbericht vom 5. Juni eine weitere Schicht hinzufügt, da schwächere oder stärkere Beschäftigungsdaten die Erwartungen an die Energienachfrage neu formen.

Für die Positionierung reichen die zu beobachtenden Werte weit über das Barrel hinaus. WTI bewegt sich meist im Gleichschritt mit Brent und bietet einen saubereren Blick auf die US-Bilanzen. Das Paar USD/CAD bleibt angesichts der Exportabhängigkeit Kanadas eng an den Rohölpreis gekoppelt, und ein fallender Ölpreis hebt häufig das Gegengewicht des Loonie. Auch Energieaktien und die breiteren Inflationserwartungen sitzen im Wirkungsradius, da günstigeres Rohöl die Inputkosten quer durch die Wirtschaft senkt.

Chance und Risiko liegen beide an der Trendlinie. Ein bestätigter Bruch mit anschließender Behauptung über dem Profil würde die kurzfristige Tendenz Richtung Zone bei 101,800 kippen. Eine Abweisung, die den Preis unter 99,600 zurückzieht, hält die Erholung fragil und gibt den Verkäufern die Kontrolle zurück. Dies ist ein Entscheidungspunkt, und das nächste saubere Signal dürfte den Ton vorgeben.

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