Iran beendet erste Angriffswelle und die Märkte atmen auf, doch die zweite bleibt das eigentliche Risiko - Energie | PriceONN
Nach Irans Erklärung über das Ende der ersten Angriffswelle gegen Israel fiel Brent von über 98 auf unter 95 Dollar. Der Ölmarkt verharrt jedoch klar über 90 Dollar, was auf eine weiterhin hohe geopolitische Risikoprämie hindeutet.

Eine Atempause, die auf dünnem Eis steht

Warum kehrt das Geld an die Börsen zurück, während der Ölpreis sich weigert, wirklich nachzugeben? Genau diese Frage beschäftigte die Handelssäle am Montag. Nachdem Irans Militär seine erste Angriffswelle gegen Israel für abgeschlossen erklärte, rutschte Brent von über 98 US-Dollar auf unter 95 US-Dollar. Anleger griffen wieder bei Risikoanlagen zu, die Stimmung hellte sich spürbar auf.

Doch der Rückgang erzählt nur die halbe Geschichte. Der Rohölpreis hält sich hartnäckig oberhalb der Marke von 90 US-Dollar. Marktdaten zeigen: Händler verlangen nach wie vor einen erheblichen geopolitischen Risikoaufschlag. Wäre der Markt von einer dauerhaften Deeskalation überzeugt, hätte Brent einen weit größeren Teil seiner jüngsten Gewinne abgegeben.

Die Beruhigung folgte auf iranische Aussagen, wonach die jüngste Militäroperation beendet sei. Gleichzeitig kam die Warnung, die Angriffe könnten wieder aufgenommen werden, sollte Israel seine militärischen Aktionen im Libanon fortsetzen. Das Ausbleiben einer unmittelbaren Eskalation reichte aus, um die Finanzmärkte nach einem volatilen Auftakt zu stabilisieren.

Rohstoffwährungen vorn, sichere Häfen unter Druck

An den Devisenmärkten zeigte sich das übliche Risk-on-Muster. Rohstoffgebundene Währungen wie der Neuseeland-Dollar und der Australische Dollar entwickelten sich besser als der breite Markt, während sichere Häfen wie der US-Dollar einen Teil ihrer jüngsten Zugewinne wieder hergaben.

Warum das Wort "erste Welle" aufhorchen lässt

Das geopolitische Gesamtbild bleibt brüchig. Eine offizielle Reaktion Israels steht aus, womit weitere Vergeltungsschläge möglich bleiben. Besonders aufschlussreich war die iranische Wortwahl. Die Beschreibung der Operation als "erste Welle" wirkte gezielt gewählt: Sie signalisiert, dass die militärischen Fähigkeiten intakt sind und zusätzliche Schläge eine Option bleiben, falls sich die Lage verändert.

Hinzu kommt, dass der aktuelle Waffenstillstandsrahmen hoch konditional und keineswegs umfassend ist. Künftige Zurückhaltung wird direkt an die Entwicklungen im Libanon geknüpft. Für den Ölmarkt bleiben diese ungelösten Risiken gewichtig. Der Rückzug von 98 US-Dollar passt eher zu kurzfristigen Gewinnmitnahmen als zu einem vollständigen Abbau der Risikoprämie. Schließlich sind die USA und Iran einem Friedensabkommen keinen Schritt näher gekommen, als Präsident Donald Trump behauptet hatte.

Was Trader jetzt im Blick behalten sollten

Die Folgen reichen weit über den Energiesektor hinaus. Erhöhte Ölpreise steigern die Wahrscheinlichkeit, dass der Inflationsdruck in den kommenden Monaten weiter durch die Weltwirtschaft sickert. Diese Dynamik hat nach dem stärker als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktbericht (Nonfarm Payrolls) der Vorwoche an Bedeutung gewonnen. Er bestärkte die Sichtweise, dass die Fed Spielraum hat, sich auf die Inflation statt auf eine Schwäche am Arbeitsmarkt zu konzentrieren.

Im Zentrum steht damit der US-Verbraucherpreisindex am Mittwoch. Eine weitere Beschleunigung, vor allem in der Kernrate, würde die Erwartung verstärken, dass die Fed später im Jahr erneut straffen muss. Ein solches Szenario könnte die Treasury-Renditen und den Dollar nach oben treiben und Risikoanlagen erneut unter Druck setzen.

Stabilisiert sich die Stimmung kurzfristig, so ruht die Erholung doch auf brüchigem Fundament: ungelöste geopolitische Spannungen, hohe Ölpreise und ein anhaltend aufbauender Inflationsdruck.

Überrascht der US-CPI nach oben, könnte sich die Erleichterungsrally als ebenso vorübergehend erweisen wie der jüngste Waffenstillstand. Worauf professionelle Handelstische achten: ob der Risikoaufschlag im Öl bestehen bleibt und wie die Kernrate der Teuerung ausfällt.

Weitere Marktthemen der Woche

Das Anlegervertrauen in der Eurozone verbesserte sich im Juni den zweiten Monat in Folge, da die Sorgen vor einer scharfen Konjunkturabkühlung nachließen. Höhere Energiepreise halten den Inflationsdruck jedoch hoch und stützen die Erwartung, dass die EZB bei ihrer Sitzung wachsam bleibt.

Beim Gold hat sich der Abverkauf beschleunigt. Starke US-Konjunkturdaten und ölgetriebene Inflationsrisiken lenken Kapital in Richtung Dollar und Anleihen. Der nächste entscheidende Kampfplatz liegt nahe der Marke von 4.000 US-Dollar, die darüber bestimmen könnte, ob der Bullenmarkt fortbesteht.

In Japan wurde das Wachstum für das erste Quartal auf 1,8 Prozent nach unten revidiert, da die Unternehmensinvestitionen unerwartet schrumpften. Konsum, Bauaktivität und Exporte wurden zwar höher angesetzt, doch der schwächere Investitionsteil deutet auf nachhinkendes Vertrauen der Unternehmen hin.

Konjunkturdaten im Überblick

IndikatorAktuellPrognoseZuvor
JPY GDP Q/Q F0,50%0,30%0,50%
Germany Factory Orders M/M Apr-3,80%-2,20%5,00%
Sentix Investor Confidence Jun-13,4-13,8-16,4

EUR/JPY im technischen Bild

Der Bruch der Unterstützung bei 184,42 deutet darauf hin, dass die Erholung von 182,01 mit drei Wellen bis 186,18 abgeschlossen sein dürfte. Solange 186,18 hält, bleibt das Risiko abwärts gerichtet, mit der Unterstützung bei 182,01 als nächstem Ziel. Ein nachhaltiger Bruch des 55-Wochen-EMA bei 178,95 würde für einen mittelfristigen Abwärtstrend sprechen.

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