Ölpreise steigen sprunghaft an: Golfkrieg ohne Ende in Sicht?
Ölpreise im Aufwind: Eskalation im Nahen Osten treibt die Kurse
Nach einem zunächst deutlichen Rückgang erlebten die Rohölpreise am Freitag eine bemerkenswerte Erholung. Diese Trendwende verstärkt den Preisanstieg der letzten zwei Tage. Händler bewerten die widersprüchlichen Aussagen von US-Präsident Donald Trump und dem iranischen Führer bezüglich eines möglichen Kriegsendes. Während Trump von einer baldigen Kapitulation des Iran sprach, bekräftigte Khamenei die Blockade der Straße von Hormus.
WTI-Rohöl zur Lieferung im April notierte zuletzt bei 98,08 USD pro Barrel, ein Plus von 3,35 USD oder 3,50 %. Zuvor war der Preis um bis zu 3,9 % auf ein Tief von 92,04 USD pro Barrel gefallen.
Medienberichten zufolge äußerte Trump während eines virtuellen Treffens der G7-Staaten die Ansicht, der Iran stehe kurz vor der Kapitulation. Er fügte hinzu, niemand könne dies verkünden, da unklar sei, wer überhaupt die Führung innehabe. Trump rühmte sich zudem mit den Ergebnissen der „Operation Epic Fury“ und bezeichnete die Beseitigung einer „Bedrohung“.
Trotz dieser Äußerungen bleibt die Unsicherheit über den weiteren Kriegsverlauf bestehen. Der iranische Führer Khamenei bekräftigte in seiner ersten Botschaft die Entschlossenheit zur Vergeltung und zur Fortsetzung des Kampfes mit aller Macht. Er betonte, die Straße von Hormus bleibe geschlossen, um Druck auf die „Feinde des Iran“ auszuüben. Er dankte auch den „Widerstandskräften“, einschließlich der libanesischen Hisbollah und der jemenitischen Houthi-Miliz, für ihre Unterstützung.
Marktteilnehmer interpretierten Khameneis Rede als Zeichen dafür, dass sich der Krieg noch über längere Zeit hinziehen könnte. Seit Beginn des Konflikts am 28. Februar ist der Öl- und Energietransport durch die Straße von Hormus blockiert.
Auswirkungen auf die Weltwirtschaft
Der Export von Öl aus den arabischen Staaten ist massiv beeinträchtigt. Engpässe in der Lagerkapazität haben viele von ihnen gezwungen, die Produktion vorerst einzustellen. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) haben Länder wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak, die auf diesen Seeweg angewiesen sind, die Produktion von fast 8 Millionen Barrel Rohöl pro Tag sowie weitere 2 Millionen Barrel Kondensat und Erdgasflüssigkeiten eingestellt.
Infolgedessen nehmen die Inflationssorgen weltweit zu. Volkswirte gehen davon aus, dass mehrere große Zentralbanken ihre Zinssenkungen vorerst zurückstellen werden. Der US-Dollar-Index notierte zuletzt bei 100,37, ein Plus von 0,71 Punkten oder 0,71 %.
Um den Energiehandel zu stabilisieren, kündigte das US-Finanzministerium eine einmonatige Ausnahmeregelung für die von den USA verhängten Sanktionen gegen russisches Öl (rund 100 Millionen Barrel) an, das bereits verladen ist und auf See festsitzt. Um die Angebotsausfälle auszugleichen, hat die IEA zugesagt, fast 400 Millionen Barrel aus den Ölreserven ihrer Mitgliedsstaaten freizugeben. Ein genauer Zeitplan dafür wurde jedoch noch nicht genannt. Die USA haben bestätigt, dass sie ihrerseits 172 Millionen Barrel freigeben werden.
Die meisten Schifffahrtsversicherer haben die Kriegsdeckung für Tanker, die die Straße von Hormus passieren, gestrichen. Der US-Finanzminister forderte die Bildung einer internationalen Koalition, um Tanker sicher durch die Straße von Hormus zu eskortieren.
Die heute veröffentlichten Daten zu den persönlichen Konsumausgaben (PCE) in den USA zeigten einen Anstieg des Kernpreisindex um 0,4 % gegenüber Januar. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Kern-PCE-Index um 3,1 %.
Was bedeutet das für Trader?
Die anhaltende Unsicherheit rund um den Konflikt und die damit verbundenen Angebotsengpässe dürften die Ölpreise weiterhin stützen. Trader sollten die geopolitischen Entwicklungen genau beobachten und auf Nachrichten über mögliche Deeskalationsbemühungen oder alternative Versorgungswege achten. Ein möglicher Fokus liegt auf:
- WTI und Brent Crude Oil: Direkte Reaktion auf Nachrichtenlage.
- Energiesektor Aktien: Profiteure steigender Ölpreise.
- USD/CAD: Der kanadische Dollar könnte von steigenden Ölpreisen profitieren.
Ein Unterschreiten der Marke von 90 USD pro Barrel bei WTI könnte ein negatives Signal senden, während ein nachhaltiger Anstieg über 100 USD weiteres Aufwärtspotenzial signalisieren würde. Die Volatilität bleibt hoch, kurzfristige Trading-Strategien könnten sich anbieten.
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