US-Inflation klettert auf Dreijahreshoch während die EZB den Zinsschritt vorbereitet
Vier Notenbanken, eine Woche, völlig unterschiedliche Lagen
Die kommenden Tage bringen eine seltene Häufung geldpolitischer Weichenstellungen. Im Zentrum steht der US-Verbraucherpreisindex am Mittwoch, flankiert von Zinsentscheidungen der EZB und der Bank of Canada sowie den brasilianischen Inflationsdaten am Freitag. Die Richtung könnte kaum unterschiedlicher sein: Wo Washington und Frankfurt mit anziehender Teuerung ringen, hält Ottawa den Fuß still, und Brasília sieht eine bereits geplante Lockerung ins Wanken geraten.
Marktdaten zeigen, dass der Iran-Konflikt seine Spuren längst in den Endverbraucherpreisen hinterlässt. Genau diese Zweitrundeneffekte machen die Datenwoche so heikel.
USA: Energiepreise treiben die Schlagzeile
Unsere Schätzung für den CPI im Mai liegt bei einem Plus von 0,52 Prozent, was die Jahresrate auf ein Dreijahreshoch von 4,2 Prozent hieven würde. Den Löwenanteil liefern Energiegüter, vor allem Benzin, mit einem geschätzten Sprung von 8 Prozent. Nahrungsmittel legten voraussichtlich um 0,3 Prozent zu, und beides zusammen drückt spürbar auf die Haushaltsbudgets.
Klammert man Lebensmittel und Energie aus, fällt das Bild deutlich ruhiger aus. Die Kernrate dürfte bei moderaten 0,23 Prozent gelegen haben. Bei den Kerngütern sorgen Gebrauchtwagen für einen leichten Schub, weil der Index die seit Jahresbeginn gestiegenen Auktionspreise noch nicht vollständig abbildet. Bei anderen Waren ebbt der zollbedingte Preisdruck dagegen ab.
Eine Stelle sticht heraus: die Flugpreise. Der Anstieg der Kerosinkosten seit Anfang März und die Insolvenz von Spirit Airlines bereiten den Boden für ein kräftiges Plus, das wir mit rund 3 Prozent ansetzen. Eine breite Wiederbeschleunigung im übrigen Dienstleistungssektor erwarten wir jedoch nicht. Die Mietkomponente kehrt voraussichtlich zu ihrem Tempo von 0,2 bis 0,3 Prozent zurück, nachdem der April durch nachgeholte Daten verzerrt war.
Eurozone und Kanada: Straffung gegen Stillstand
In der Eurozone verbreitert sich der Preisauftrieb merklich. Die annualisierten Dreimonatsraten für Gesamt- und Kerninflation liegen bei 9,6 Prozent beziehungsweise 8 Prozent und damit weit über den Jahresraten von 3,2 und 2,5 Prozent. Wir rechnen damit, dass die EZB am Donnerstag um 25 Basispunkte anhebt, den Einlagensatz auf 2,25 Prozent und den Hauptrefinanzierungssatz auf 2,40 Prozent setzt und dabei einen klar restriktiven Ton anschlägt. Der Juni dürfte den Start des Zinszyklus markieren, mit mindestens einem weiteren Schritt im dritten Quartal, wahrscheinlich im Juli.
Die Bank of Canada geht den umgekehrten Weg. Wir erwarten, dass sie den Leitzins bei 2,25 Prozent belässt. Schwächeres Wachstum im ersten Quartal und kurzfristig nachgebende Kerninflation sprechen gegen Eile, während hohe Rohstoffpreise und ein angespanntes Arbeitskräfteangebot weiter inflationär wirken. Unser Basisszenario sieht den nächsten Schritt im Juli, einen weiteren im vierten Quartal. Schwer wiegt die USMCA-Überprüfung am 1. Juli, die mittelfristige Unsicherheit verlängert, den zollarmen Marktzugang aber bewahrt.
Was Anleger jetzt beobachten sollten
Für Brasilien rechnen wir mit einer Beschleunigung der IPCA-Inflation auf 4,65 Prozent nach 4,39 Prozent, womit die Teuerung über die Obergrenze des Zielbands von 4,5 Prozent rückt. Der Druck verlagert sich von Energie hin zu Nahrungsmitteln, die im brasilianischen Warenkorb stärker gewichtet sind. Eine Zinssenkung im Juni bleibt unser Basisszenario, doch im dritten Quartal sehen wir Raum für eine Pause.
Für den Devisenmarkt bedeutet diese Konstellation Spannung. Ein heißer US-CPI stützt tendenziell den Dollar und drückt zinssensitive Anlagen, während ein restriktiver EZB-Kurs dem EUR/USD Auftrieb geben kann. Anleger sollten die Energiekomponente, die Flugpreise und den Ton der EZB-Projektionen im Auge behalten. Der kanadische Dollar reagiert empfindlich auf Rohstoffe und die USMCA-Schlagzeilen, der brasilianische Real auf die fiskalpolitische Richtung im Wahljahr. Handelsdaten legen nahe, dass die Reaktion weniger vom Niveau als von der Breite des Preisdrucks abhängen wird.
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