Wirtschaftswoche im Fokus: US-Arbeitsmarktbericht und Inflation im Blick
Schwerpunkt US-Wirtschaft: Arbeitsmarkt und Inflationsdruck
Die Märkte blicken gespannt auf die bevorstehende Handelswoche, deren Höhepunkt der US-Arbeitsmarktbericht am kommenden Freitag darstellt. Analysten prognostizieren für Mai einen Anstieg der Nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung (Nonfarm Payrolls) um 105.000 Stellen. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Arbeitslosenquote leicht auf 4,4% ansteigt. Diese Zahlen zeichnen das Bild eines Arbeitsmarktes, der sich zwar nicht mehr verschlechtert, aber auch keine signifikante Verbesserung zeigt. Zuvor, am Montag und Mittwoch, dürften die ISM-Umfragen auf eine fortgesetzte Expansion hindeuten. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe wird voraussichtlich nahe dem April-Wert von 52,5 Punkten verharren, während der Dienstleistungssektor leicht auf 53,4 von 53,6 Punkten nachgeben könnte. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Komponenten für bezahlte Preise, da diese wichtige Signale für den breiteren Inflationsdruck liefern. Die Inputkosten im verarbeitenden Gewerbe sind stark gestiegen, während die Preisgestaltung im Dienstleistungssektor kontrollierter erscheint.
Der Arbeitsmarkt der USA verharrt in einem Zustand geringer Dynamik. Während die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung niedrig bleiben und größere Entlassungen auf den Technologiesektor beschränkt sind, zeigen die Einstellungszahlen wenig Verbesserung. Indikatoren wie neue Stellenangebote auf Indeed und regionale regionale Einkaufsmanagerindizes deuten auf eine Seitwärtsbewegung hin. Das Conference Board’s Labor Differential fiel im Mai, was auf keine Beschleunigung der Arbeitsnachfrage hindeutet. Angesichts dieser Entwicklung wird ein Anstieg der Nonfarm Payrolls um 105.000 im Mai geschätzt. Zyklisch sensible Branchen zeigten zwar eine leichte Erholung, doch könnten Insolvenzen wie die von Spirit Airlines und weitere Entlassungen in der Informationsbranche für vereinzelte Schwächen sorgen. Wir prognostizieren, dass die Arbeitslosenquote auf 4,4% zurückkehrt. Ein Teil des Rückgangs der Erwerbsquote in den letzten Jahren ist zwar demografisch bedingt, doch reflektiert der Rückgang auch einen Ausstieg von Arbeitskräften. Sollte die Erwerbsquote im Mai, wie nicht ausgeschlossen, leicht ansteigen, könnte dies die Arbeitslosenquote nach oben treiben. Ungeachtet dessen bleibt die Quote über das letzte Jahr hinweg weitgehend stabil, was die beschriebene Gemengelage unterstreicht.
Internationale Wirtschaftsindikatoren im Fokus
Außerhalb der USA richtet sich der Blick auf die Eurozone, wo für Mai ein Anstieg der Verbraucherpreise (CPI) auf 3,3% im Jahresvergleich erwartet wird, verglichen mit 3,0% im Vormonat. Der Kern-CPI, der volatile Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert, dürfte von 2,2% auf 2,5% steigen. Diese Entwicklung setzt die EZB vor ihrer Juni-Sitzung weiter unter Druck, da sie auf anhaltende Inflationsrisiken hindeutet. Die Daten deuten auf eine mögliche Ausweitung der Preisdruckkomponenten hin, auch wenn die Inflation bisher auf eine begrenzte Anzahl energieintensiver Güter und Dienstleistungen konzentriert blieb. PMI-Daten signalisieren zwar erneuten Druck auf die Inputkosten, doch eine entsprechende Weitergabe an die Outputpreise ist noch nicht flächendeckend sichtbar. Die Kerninflation wird voraussichtlich auf 2,5% steigen. Für die geldpolitische Entscheidung der EZB im Juni werden die Inflationsdaten zusammen mit aktualisierten Prognosen maßgeblich sein. Unsere Erwartung bleibt, dass der Juni den Beginn von Zinserhöhungen markiert, gefolgt von einer weiteren Anhebung im dritten Quartal, wahrscheinlich im Juli. Eine überraschend schwache Kerninflation oder eine fortgesetzte Konzentration der Preisdruckkomponenten könnte jedoch zu einem hawkishen Hold im Juni führen.
In Australien wird für das erste Quartal ein moderateres Wirtschaftswachstum erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte um 0,5% gegenüber dem Vorquartal und um 2,6% im Jahresvergleich zulegen. Die Details des Vorquartalswachstums waren weniger überzeugend, da Lagerbestände eine überproportionale Rolle spielten und Nettoexporte durch stark gestiegene Importe belastet wurden. Indikatoren für das erste Quartal zeigten gemischte Signale, mit einer Abschwächung der Einkaufsmanagerindizes und einer Erholung der Haushaltsausgaben im März. Investitionen dürften zwar für Unterstützung sorgen, aber voraussichtlich nicht die schwächere Konsumnachfrage und einen weiteren Rückgang der Nettoexporte ausgleichen können. Für die Reserve Bank of Australia (RBA) würde ein deutlich schwächerer BIP-Wert die Auswirkungen höherer Zinsen auf Konsum und Vertrauen bekräftigen. Dennoch bleiben unterliegende Preisdruckrisiken bestehen, was unsere Erwartung einer weiteren Zinserhöhung um 25 Basispunkte im August auf 4,60% stützt.
Kanada rechnet mit einer Stabilisierung am Arbeitsmarkt. Für Mai wird ein Beschäftigungswachstum von 15.000 Stellen prognostiziert, während die Arbeitslosenquote auf 6,8% sinken dürfte. Die Nachfrage nach Arbeitskräften sollte durch eine festere Konsumausgabenentwicklung, eine verbesserte Unternehmensstimmung und anhaltende fiskalische Unterstützung gestützt werden. Erhöhte Energie- und Rohstoffpreise stellen einen positiven Faktor für Kanada dar und dürften die Beschäftigungsgewinne in rohstoffbezogenen Sektoren begünstigen. Strukturell bleiben die Engpässe am Arbeitsmarkt bestehen. Eine schwache Mai-Zahl würde die Stabilisierungsgeschichte in Frage stellen und könnte, zusammen mit einem schwachen Q1-BIP, die Erwartungen für eine Zinserhöhung durch die Bank of Canada (BoC) über Juli hinaus verschieben.
Schwellenländer und Zinsausblick
In den Schwellenländern wird erwartet, dass die Reserve Bank of India (RBI) ihren Leitzins, den Repurchase Rate, bei 5,25% belässt. Die Inflation liegt zwar noch innerhalb der Zielspanne der RBI, doch höhere Energie- und Lebensmittelpreise dürften die Inflation in den kommenden Monaten antreiben. Das Wirtschaftswachstum zeigt sich robust, aber höhere Energiepreise und steigende Kosten für Transport und Versicherung stellen Risiken für die Margen und die Produktion dar. Der Rupie steht ebenfalls unter Druck. Angesichts steigender Inflationsrisiken und wachsender Wachstumsschwächen erwarten wir für dieses Jahr zwei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte, was den Leitzins auf 5,75% anheben würde.
Ökonomische Kalenderübersicht
| Region | Indikator | Datum |
|---|---|---|
| Vereinigte Staaten | ISM Umfragen | Montag & Mittwoch |
| Eurozone | CPI | Dienstag |
| Australien | BIP | Mittwoch |
| Kanada | Arbeitsmarktdaten | Freitag |
| Vereinigte Staaten | Beschäftigungsbericht | Freitag |
| Indien | Leitzins (RBI) | Freitag |
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