Fed hält Zügel straff: Inflation im Fokus, Zinssenkungen ungewiss
Fed belässt Zinspolitik stabil – Inflation im Blick
Die US-Notenbank hat im März, wie von den meisten Marktteilnehmern erwartet, keine Änderungen an ihrer Geldpolitik vorgenommen. Während einer Pressekonferenz vermied es Fed-Chef Jerome Powell, klare Hinweise auf zukünftige geldpolitische Schritte zu geben. Stattdessen wurde deutlich, dass die Sorge vor hartnäckiger Inflation die Bedenken hinsichtlich möglicher Wachstumseinbußen überlagert. Die medianen Projektionen der FOMC-Mitglieder, die sogenannten "Dots", blieben zwar unverändert, die Verteilung der Erwartungen verschob sich jedoch merklich hin zu späteren Zinssenkungen im Jahresverlauf. Dies zeigte sich auch in den Reaktionen der Märkte: Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen stiegen um etwa 7 Basispunkte, und der EUR/USD-Wechselkurs fiel unter die Marke von 1,15.
Trotz der aktuellen Unsicherheiten halten wir an unserer Einschätzung fest, dass die Fed im laufenden Jahr noch zwei Zinssenkungen durchführen wird. Der genaue Zeitpunkt dieser Schritte bleibt jedoch äußerst sensibel gegenüber der Dauer und dem Ausmaß möglicher Energiepreissteigerungen, die durch die Entwicklungen im Nahen Osten ausgelöst werden könnten. Die jüngste Erklärung des FOMC ging explizit auf die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten ein, indem sie die Unsicherheit über die Folgen für die US-Wirtschaft hervorhob – eine neue Formulierung im Vergleich zu früheren Mitteilungen.
Wachstumsprognosen angehoben, Inflationsrisiken bleiben
Die Wachstumsprognosen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wurden leicht nach oben korrigiert: von 2,0% im Dezember auf nunmehr 2,3% für 2027. Ebenso wurde die Prognose für die Kernrate der PCE-Inflation auf 2,2% für 2027 angehoben, verglichen mit 2,1% im Dezember. Unter normalen Umständen wären solche Anpassungen als hawkishe Signale interpretiert worden. Die Märkte reagierten jedoch zunächst zurückhaltend. Die Risikobewertung der Fed zeigte eine Rückkehr der Abwärtsrisiken für das BIP-Wachstum, während die Inflationsrisiken als gleichermaßen aufwärtsgerichtet eingeschätzt wurden.
Powell präsentierte sich nicht übermäßig hawkish, vermied aber auch Argumente, die eine deutlichere Lockerung hätten andeuten können. Die Erwartung, dass bereits gestiegene Finanzierungskosten das Wirtschaftswachstum dämpfen und somit Zinssenkungen rechtfertigen könnten, wurde von Powell nicht thematisiert. Im Zuge der Pressekonferenz zogen die Renditen von US-Staatsanleihen moderat an, und der US-Dollar gewann gegenüber anderen wichtigen Währungen an Stärke.
Powell betonte, dass eine signifikante Anzahl von FOMC-Teilnehmern ihre Zinserwartungen in Richtung späterer Senkungen verschoben hat, auch wenn die mittlere Projektion weiterhin zwei Reduzierungen um jeweils 25 Basispunkte vorsieht. Er hob zudem die Bedeutung einer Verlangsamung der tarifbedingten Inflation im weiteren Jahresverlauf hervor. Vor diesem Hintergrund ist die Veröffentlichung der Erzeugerpreise für Februar besonders aufschlussreich: Die Kernkomponentenpreise für Waren zeigten den stärksten monatlichen Anstieg seit April 2022, was als besorgniserregendes Signal gewertet werden kann.
Marktausblick: Zinssenkungen im Juni und September weiterhin möglich
Trotz der jüngsten Daten und Aussagen bleiben wir bei unserer Prognose von zwei weiteren Zinssenkungen der Fed. Der Markt preist derzeit lediglich Zinssenkungen im Umfang von 17 Basispunkten für das kommende Jahr ein. Unsere ursprüngliche Prognose, die wir vor den jüngsten geopolitischen Spannungen aufgestellt hatten, sah Zinssenkungen im Juni und September vor. Die genaue zeitliche Abstimmung ist jedoch mit geringer Überzeugung verbunden und wird von uns kontinuierlich im Lichte der Entwicklungen bezüglich der Energieversorgung neu bewertet.
Interessanterweise gab es keine Diskussionen über die Bilanzpolitik der Fed. Es wird erwartet, dass die Sitzungsprotokolle weitere Hinweise auf eine Verlangsamung der T-Bill-Käufe im Rahmen des Reservemanagements geben werden. Als Basisannahme gilt, dass das Nettoemissionsvolumen nach dem Steuertermin Mitte April erheblich reduziert wird. Die Auswirkungen dieser Anpassungen auf die Liquidität im Finanzsystem werden genau beobachtet werden.
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