Gold rutscht ab: Eskalation im Golf befeuert Inflationssorgen und schwächt Zinssenkungshoffnungen
Gold und Silber unter Verkaufsdruck nach Eskalation im Persischen Golf
Die Edelmetalle Gold und Silber verzeichneten am Freitag deutliche Kursverluste, womit sich die Abwärtsbewegung der Vortage fortsetzte. Auslöser für die Marktturbulenzen sind verstärkte Angriffe im strategisch wichtigen Persischen Golf, die die Inflationserwartungen weltweit neu entfachen. Diese Verschärfung der geopolitischen Risiken hat zudem die kurzfristigen Erwartungen an eine geldpolitische Lockerung durch die US-Notenbank (Fed) gänzlich zunichtegemacht. Die Futures für Gold (Comex, April-Lieferung) verbilligten sich um 30,10 US-Dollar, ein Rückgang von 0,65%, und schlossen bei 4.575,60 US-Dollar je Feinunze. Der Silbermarkt spiegelte diese Entwicklung wider und verzeichnete sogar noch stärkere Abgaben. Die April-Futures für Silber fielen um 1,489 US-Dollar, was einem kräftigen Minus von 2,10% entspricht, und endeten bei 69,485 US-Dollar je Feinunze.
Hintergrund der jüngsten Marktentwicklungen scheinen eine Serie von gezielten Angriffen auf kritische Energieinfrastrukturen in der Golfregion zu sein. Berichten zufolge attackierten iranische Drohnen Kuwaits wichtigste Ölraffinerie, Mina al-Ahmadi, eine Anlage mit einer Verarbeitungskapazität von rund 730.000 Barrel pro Tag. Dieser Vorfall führte zur Stilllegung mehrerer Betriebseinheiten. Dies geschah kurz nach Vergeltungsmaßnahmen, die am Vortag eingeleitet wurden. Nach israelischen Angriffen auf das iranische South Pars Gasfeld startete der Iran Gegenschläge gegen eine Ölraffinerie in Haifa, Israel, sowie das Energiezentrum Ras Laffan in Katar. Ras Laffan, Standort von Katars größtem Flüssigerdgas (LNG)-Terminal, hat die Produktion eingestellt. QatarEnergy teilte mit, dass umfangreiche Schäden Reparaturen von über einem Jahr erfordern werden. Bereits zuvor hatte der Iran Drohnenangriffe auf die SAMREF-Raffinerie von Saudi Aramco in Yanbu durchgeführt.
Wirtschaftliche Folgen und geldpolitische Reaktionen
Die kumulative Wirkung dieser Angriffe seit Beginn des Konflikts am 28. Februar hat zu einer nahezu vollständigen Blockade des Tankerverkehrs durch die strategisch wichtige Straße von Hormuz geführt. Dies trieb die Rohölpreise in die Höhe, verstärkte gleichzeitig die globalen Inflationsängste und drängte wichtige Zentralbanken zu einer restriktiveren, also hawkeren, Politik. Infolgedessen zeigen Investoren eine klare Präferenz für den US-Dollar gegenüber Gold. Da der gelbe Metall für internationale Käufer in einem stärker werdenden Dollar teurer wird, verlagern sich die Kapitalströme. Zusätzliche finanzielle Belastungen entstehen, da das Pentagon laut Berichten den US-Kongress um über 200 Milliarden US-Dollar bittet, um die Militäroperationen im andauernden Konflikt aufrechtzuerhalten. Mit bereits über 11 Milliarden US-Dollar, die laut Berichten allein in der ersten Kriegswoche von den USA ausgegeben wurden, könnten die Gesamtkosten mehr als die Hälfte des iranischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) übersteigen, das für 2025 auf 356,51 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Dies wirft ernste Fragen hinsichtlich der breiteren wirtschaftlichen Auswirkungen auf.
Während der 21. Tag des Konflikts zwischen den USA/Israel und dem Iran andauert, hat Teheran eine deutliche Warnung ausgesprochen: "null Zurückhaltung", falls seine Anlagen weiter angegriffen werden. Eine gewisse Erleichterung brachte eine Erklärung des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu, der die Absicht Israels betonte, die Anweisung von US-Präsident Donald Trump zu befolgen, kritische Energieinfrastrukturen des Iran nicht ins Visier zu nehmen. Präsident Trump selbst bekräftigte, dass die USA keine Pläne für einen Truppeneinsatz im Nahen Osten haben und bekräftigte das Engagement seiner Regierung zur Eindämmung steigender Ölpreise. Nach diesen diplomatischen Zusicherungen der US- und israelischen Führung erlebte Gold eine kurze Erholung. Zusätzliches Potenzial zur Entspannung auf der Angebotsseite bot die Ankündigung von US-Finanzminister Scott Bessent in einem Interview, dass die USA erwägen, Sanktionen gegen bestimmte iranische Rohöllieferungen aufzuheben, die sich bereits auf dem Weg befinden. Dies könnte potenziell rund 140 Millionen Barrel iranisches Öl freisetzen, wovon Nationen wie Indien, Japan und Malaysia profitieren würden.
Die US-Notenbank (Fed) beließ ihren Leitzins während ihrer Sitzung am Mittwoch unverändert im Bereich von 3,50% bis 3,75%. Angesichts anhaltender Inflationsdrucks und der durch den Golfkrieg verursachten "Unsicherheit" signalisierte die Zentralbank die Möglichkeit von Zinssitzungen später im Jahr, abhängig von der Inflationskontrolle. Es ist zu beachten, dass Gold und Silber im Jahr 2025 erhebliche Kursgewinne verzeichneten, mit Zuwächsen von fast 66% bzw. 135%. Der jüngste Anstieg der Ölpreisvolatilität und seine inflationären Auswirkungen haben jedoch zu einer signifikanten Umschichtung des Anlegerinteresses hin zum US-Dollar geführt. Der Dollar-Index wurde zuletzt bei 99,56 gehandelt, was einem Anstieg von 0,28 Punkten oder 0,28% entspricht. Das FedWatch Tool der CME Group spiegelt nun eine vollständige Abschaffung der Erwartungen für eine Zinssenkung wider. Investoren preisen derzeit nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 14,5% für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ein und eine 85,5%ige Chance, dass die Zinsen bei der bevorstehenden Fed-Sitzung am 28.-29. April unverändert bleiben.
Marktauswirkungen und Anlegerausblick
Die eskalierenden Konflikte im Persischen Golf und ihre direkten Auswirkungen auf die Ölversorgungsketten stellen erhebliche Hürden für Gold dar. Da der Inflationsdruck zunimmt und die US-Notenbank kurzfristig weniger geneigt erscheint, die Zinsen zu senken, stärkt sich die Anziehungskraft des US-Dollars, was Kapital aus sicheren Häfen wie Gold abzieht. Händler sollten den US-Dollar-Index (DXY) genau beobachten, da seine Aufwärtsbewegung direkt mit dem Druck auf die Goldpreise korreliert. Darüber hinaus wird die erhöhte Risikoprämie auf Rohöl-Benchmarks wie Brent Crude und WTI Crude weiterhin ein Haupttreiber für die Inflationserwartungen sein. Diese Volatilität auf den Energiemärkten könnte auch Auswirkungen auf globale Aktienindizes haben, insbesondere auf solche mit erheblicher Energieabhängigkeit oder die empfindlich auf Konsumausgaben reagieren, wie den S&P 500. Die Aussicht auf einen anhaltenden Konflikt und seine wirtschaftlichen Folgen erfordert einen vorsichtigen Ansatz, wobei die Aufmerksamkeit auf wichtigen Unterstützungs- und Widerstandsniveaus für Gold und den Dollar liegen sollte.
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