Kupferpreis am Rekordhoch: Grasberg-Schmelze stoppt, Aluminium steigt kräftig - Rohstoffe | PriceONN
Angebotsengpässe treiben die Metallpreise. Kupfer nähert sich Rekordwerten, während Aluminium nach Produktionskürzungen in Brasilien auf ein Siebenwochentief klettert.

Metallmärkte unter Strom: Angebotsknappheit befeuert Preisanstiege

Die globalen Metallmärkte erleben derzeit eine deutliche Dynamik, angetrieben durch kritische Angebotsunterbrechungen, die die Preise auf Mehrwochen- und sogar Rekordhöhen katapultieren. Insbesondere Kupfer hat die Lücke zu seinem Allzeithoch dramatisch geschlossen. Ein unerwarteter Betriebsstillstand in einer bedeutenden indonesischen Aufbereitungsanlage verschärft eine ohnehin angespannte Versorgungslage und hält den Londoner Benchmark-Kontrakt seit geraumer Zeit fest über der Marke von 14.000 US-Dollar pro Tonne. Gleichzeitig verzeichnet der Aluminiummarkt einen bemerkenswerten Aufschwung und erreicht ein Siebenwochentief, nachdem die Produktion in einer wichtigen brasilianischen Bauxitfabrik drastisch reduziert wurde.

Auf dem US-amerikanischen Comex-Markt näherten sich die Kupfer-Futures für die September-Lieferung der historischen Bestmarke und erreichten 6,7005 US-Dollar pro Pfund (entspricht 14.772 US-Dollar pro Tonne). Diese Notierung lag nur vier Zehntel eines Cents unter dem Rekord von 6,7045 US-Dollar pro Pfund, der am 5. August aufgestellt wurde. Obwohl der Kurs später auf 6,6360 US-Dollar zurückfiel, was immer noch einem Anstieg von 0,3% für die Sitzung entsprach, bleibt die Marktstimmung bullisch. Weiter in der Zukunft gehandelte Kontrakte zeigten ebenfalls Stärke: Der Dezember-Kontrakt kletterte auf 6,7980 US-Dollar, und Kontrakte für die zweite Jahreshälfte 2027 wurden zu Kursen über 7 US-Dollar pro Pfund gehandelt. Diese gestaffelten Preise deuten darauf hin, dass tiefgreifende Sorgen über die Angebotsseite die längerfristigen Erwartungen beeinflussen.

An der London Metal Exchange (LME) verzeichnete Kupfer mit einer Dreimonatsnotierung eine moderatere Veränderung und schloss nahe 14.195,50 US-Dollar pro Tonne. Dies lässt eine Prämie von rund 435 US-Dollar gegenüber dem Comex-Kontrakt bestehen und unterstreicht die Stärke der US-Preisdynamik. Die physische Knappheit wird durch die Tatsache belegt, dass das Kassametall am Montag 138 US-Dollar über dem Dreimonatskontrakt schloss, die breiteste Prämie für kurzfristige Lieferungen seit Oktober. Dies ist ein klassischer Indikator dafür, dass die unmittelbare Nachfrage das leicht verfügbare Angebot übersteigt.

Grasberg-Schmelze liefert den Auslöser für Kupferschocks

Der Auslöser für die jüngste Kupferpreisrallye ist die Betriebseinstellung der Gresik-Schmelze in Indonesien. Käufer wurden darüber informiert, dass die Anlage nach einem Kesselleck am 8. August für eine unbestimmte Zeit zur Begutachtung und Reparatur den Betrieb einstellen wird. Gresik ist ein entscheidender Verarbeiter für Erz, das aus der riesigen Grasberg-Mine stammt. Die Anlage ist ein Joint Venture zwischen Mitsubishi Materials und PT Freeport Indonesia. Mitsubishi hat die Aussetzung bestätigt und erklärt, dass kein endgültiges Wiederaufnahmedatum festgelegt wurde. Diese Entwicklung wirft einen Schatten auf die unmittelbare Verfügbarkeit von Kupfer.

Obwohl die eigene Manyar-Schmelze von Freeport in Ost-Java die Produktion im September wieder aufnehmen soll, wird die kombinierte Jahresproduktion dieser beiden Anlagen voraussichtlich bei rund 400.000 Tonnen Kathoden liegen. Entscheidend ist, dass die Grasberg-Mine selbst noch in der Erholungsphase nach einem verheerenden Erdrutsch im September letzten Jahres steckt, wobei die volle Produktion erst Ende 2027 erwartet wird. Dieser anhaltende Rückstand bei der Minenproduktion, kombiniert mit dem Ausfall der Gresik-Schmelze, sorgt für erheblichen Verknappungsdruck.

Aluminium-Rallye durch brasilianische Produktionskürzungen angeheizt

Der Aluminiummarkt verzeichnete ebenfalls einen signifikanten Anstieg. Die Preise stiegen in London um bis zu 1,9% und notierten 1,7% höher bei 3.373 US-Dollar pro Tonne. Diese Rallye wurde durch eine Ankündigung von Norsk Hydro ausgelöst. Das Unternehmen gab bekannt, dass seine Alunorte-Raffinerie in Brasilien, eine der weltweit führenden Bauxitquellen, ihre Betriebskapazität halbiert hat. Als Grund für diese drastische Maßnahme wurden Störungen in der Erdgasversorgungskette genannt, die den Hauptlieferanten beeinträchtigen. Zusätzliches bullisches Sentiment für Aluminium brachten die Bauxit-Futures in Shanghai, die 1% höher bei 2.724 Yuan pro Tonne schlossen.

Der breitere Kontext umfasst anhaltende geopolitische Spannungen im Nahen Osten, die die Lieferströme aus einer Region unterbrochen haben, die für etwa ein Zehntel der globalen Aluminiumproduktion verantwortlich ist. Dies hat die Lagerbestände der LME auf rund 255.000 Tonnen reduziert, ein Niveau, das seit November 1990 nicht mehr erreicht wurde. Analysten von Hydro hatten zuvor gewarnt, dass ein globales Defizit jährlich 900.000 Tonnen überschreiten könnte, wenn der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz weiterhin beeinträchtigt bleibt. Yan Weijun, Leiter der Forschung für Nichteisenmetalle bei Xiamen C&D, kommentierte die Situation und stellte fest, dass das Fehlen reibungsloser Fortschritte bei den Verhandlungen im Nahen Osten wahrscheinlich weiterhin eine Unterstützung für die Aluminiumpreise bieten wird.

Marktausblick: Preisrallyes und Aktien-Divergenz

Die aktuellen angebotsseitigen Schocks, die sowohl den Kupfer- als auch den Aluminiummarkt betreffen, schaffen ein starkes Umfeld für Investoren und Händler. Die anhaltende Stärke der Kupferpreise, die nun Rekordniveaus testen, steht in direktem Zusammenhang mit der unerwarteten Schließung der Gresik-Schmelze. Dieses Ereignis unterstreicht die Fragilität einer Lieferkette, die bereits durch die laufende Erholung der Grasberg-Mine strapaziert wird. Die wachsende Prämie von Kassakupfer gegenüber den Future-Kontrakten ist ein klares Signal dafür, dass die physische Verfügbarkeit kurzfristig stark eingeschränkt ist.

Für Händler sind die Implikationen erheblich. Die Marktreaktion, insbesondere die Tatsache, dass die Comex-Futures für 2027 über 7 US-Dollar pro Pfund gehandelt werden, deutet darauf hin, dass das Angebotsdefizit als strukturell und nicht als temporär wahrgenommen wird. Dies könnte weitere Preissteigerungen begünstigen, falls sich die vollständige Erholung der Grasberg-Mine verzögert oder weitere Lieferunterbrechungen auftreten. Die Situation bei Aluminium, angetrieben durch die Produktionskürzung der Alunorte-Raffinerie und Probleme im Transit durch den Nahen Osten, weist ebenfalls auf eine anhaltende Verknappung hin. Investoren sollten die Lagerbestände bei der LME und der Comex sowie alle weiteren Updates zum Reparaturzeitplan der Gresik-Schmelze und zur geopolitischen Lage in der Straße von Hormuz genau beobachten.

Der deutliche Kontrast zwischen den steigenden Metallpreisen und der rückläufigen Performance wichtiger Minenaktien wie Freeport-McMoRan, Lundin Mining und Vale ist besonders bemerkenswert. Diese Divergenz legt nahe, dass, obwohl die zugrunde liegenden Rohstoffe gefragt sind, die breitere Marktstimmung oder spezifische unternehmensbezogene Herausforderungen die Aktien belasten könnten. Marktteilnehmer werden beobachten, wie schnell diese Bergbau-Giganten operative Hürden überwinden und von den erhöhten Rohstoffpreisen profitieren können. Die Beziehung zwischen Rohstoffpreisen und verwandten Aktien kann oft auseinanderlaufen und sowohl Risiken als auch Chancen für aufmerksame Beobachter darstellen. Zu den eng verbundenen Märkten, die genau beobachtet werden sollten, gehören Industriemetall-ETFs, Währungspaare, die von Rohstoffexporteinnahmen abhängig sind, wie USD/CAD und AUD/USD, und potenziell breitere Aktienindizes wie der S&P 500 Materials Sector, der einen leichten Rückgang verzeichnete. Die anhaltend hohen Preise für Kupfer und Aluminium könnten auch die Inflationserwartungen beeinflussen und möglicherweise spätere Diskussionen über die Geldpolitik der Zentralbanken beeinflussen.

Hashtags
#Kupferpreis #Aluminium #Industriemetalle #Rohstoffe #Grasberg #PriceONN

Märkte in Echtzeit verfolgen

Stärken Sie Ihre Anlageentscheidungen mit KI-gestützter Analyse und Echtzeit-Preisdaten.

Treten Sie unserem Telegram-Kanal bei

Erhalten Sie aktuelle Marktnachrichten, KI-Analysen und Handelssignale sofort auf Telegram.

Kanal beitreten