Zentralbank-Marathon steht bevor: Fed, BoJ, RBA, SNB und BoE im Fokus - Forex | PriceONN
Die Märkte blicken gespannt auf eine Woche voller geldpolitischer Entscheidungen. Starke US-Daten befeuern Zinserhöhungserwartungen an die Fed, während die BoJ vor einer Anhebung steht und die RBA sowie die BoE voraussichtlich pausieren werden.

US-Notenbank im Zentrum – Zinserhöhungswetten nehmen Fahrt auf

Der US-Dollar zeigte sich in der vergangenen Woche stark und übertraf die meisten seiner Hauptkontrahenten. Investoren sind weiterhin überzeugt, dass die Federal Reserve noch in diesem Jahr eine Zinserhöhung vornehmen könnte. Diese Erwartungen erhielten erheblichen Auftrieb durch den US-Arbeitsmarktbericht für Mai, der mit einem Anstieg der Nonfarm Payrolls auf 172.000 deutlich über den prognostizierten 85.000 lag. Die April-Zahl wurde zudem von 115.000 auf 179.000 aufwärts revidiert, während die Arbeitslosenquote unverändert bei 4,3% verharrte.

Der Bericht zeichnet ein Bild eines bemerkenswert robusten Arbeitsmarktes, insbesondere angesichts des andauernden Nahostkonflikts und der daraus resultierenden Energiekrise. Dies gibt der Fed grünes Licht für eine straffere Geldpolitik. Trotz der Hoffnung auf einen Waffenstillstand im Nahen Osten, der während der Woche mehrfach auf der Kippe stand, hielten die Anleger an ihren zinserhöhungsorientierten Wetten fest. Dies wurde durch die US-Verbraucherpreisdaten (CPI) für Mai untermauert, die einen Anstieg der jährlichen Inflationsrate von 3,8% auf 4,2% zeigten, mehr als das Doppelte des Fed-Ziels von 2%. Die Kernrate stieg leicht von 2,8% auf 2,9%.

Laut Fed-Funds-Futures ist eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember nahezu vollständig eingepreist, während die Wahrscheinlichkeit für September bei fast 35% liegt. Dies geschieht, obwohl US-Präsident Trump eine baldige Unterzeichnung eines Friedensabkommens mit dem Iran ankündigte.

BoJ vor Zinsanhebung, Yen-Erholung bleibt fraglich

Der japanische Yen setzte seinen Abwärtstrend fort und testete die Marke von 160 pro Dollar. Marktteilnehmer blicken gespannt auf die Entscheidung der Bank of Japan (BoJ) am Dienstag, sind sich aber auch möglicher Interventionen bewusst. Die Zentralbank wird voraussichtlich die Zinssätze anheben, doch diese erwartete Maßnahme allein dürfte dem Yen keinen signifikanten Auftrieb verleihen, da sie bereits eingepreist ist.

Für eine nachhaltige Yen-Erholung bedarf es mehr als nur einer Intervention und einer Zinsanhebung. Die BoJ müsste ein deutlich hawkisheres Signal aussenden und weitere Leitzinserhöhungen in den kommenden Monaten andeuten. Eine Kombination aus einer hawkishen Zinserhöhung und einer Intervention kurz vor oder nach der Sitzung könnte der Katalysator für eine bullische Trendwende beim Yen sein. Gegen Ende der Woche werden die japanischen National CPI-Daten für Mai veröffentlicht und zeigen, ob die BoJ trotz einer möglichen Zinserhöhung weiterhin besorgt über eine außer Kontrolle geratende Inflation sein muss.

RBA und BoE im Fokus: Pausieren mit hawkissem Unterton?

Kurz nach der BoJ wird die Reserve Bank of Australia (RBA) ihre geldpolitische Entscheidung bekannt geben. Im Mai erhöhte die RBA zum dritten Mal in Folge die Zinsen um 25 Basispunkte und machte damit die Zinssenkungen des Vorjahres vollständig rückgängig. Die Forward Guidance fiel jedoch weniger hawkisch aus, da die Politikmacher keine weiteren Zinserhöhungen zusagten und stattdessen auf datenabhängige Entscheidungen verwiesen. Gouverneur Bullock deutete an, dass sich die Zinsen nun in einem restriktiven Bereich befänden, was die Erwartung einer Pause bei dieser Sitzung verstärkte.

Zusätzliche Argumente für eine Pause lieferten der Anstieg der Arbeitslosenquote im April und der Rückgang der Haushaltsausgaben. Eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte ist bis Jahresende nur zu etwa 80% eingepreist. Dennoch könnte ein vollständiges Schließen der Tür für weitere Zinserhöhungen verfrüht sein, insbesondere da die australische Inflation mit 4,2% im April weiterhin deutlich über dem Zielband der RBA von 2-3% liegt. Die Kerninflation (trimmed mean) stieg leicht auf 3,4% an. Eine hawkische Pause, die den Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung vorverlegt, könnte den australischen Dollar stützen. Vorab könnten chinesische Wirtschaftsdaten für Mai für Volatilität sorgen.

Am Donnerstag stehen die Entscheidungen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Bank of England (BoE) an. Die SNB hielt ihre Zinsen zuletzt bei 0,00% und intervenierte am Devisenmarkt, um eine Aufwertung des Frankens zu verhindern. Die Inflation ist seitdem gestiegen, liegt aber mit 0,6% im April und Mai weiterhin auf einem Niveau, das keine übermäßige Besorgnis auslöst. Eine leichte Aufwärtsrevision der Inflationsprognosen könnte den Franken stützen, doch eine deutliche Aufwertung ist unwahrscheinlich, da die SNB ihre Interventionsbereitschaft bekräftigen dürfte.

Die BoE beließ ihre Zinsen zuletzt ebenfalls unverändert, wobei ein Mitglied für eine Anhebung stimmte. Angesichts der Unsicherheiten durch den Nahostkonflikt signalisierte Gouverneur Bailey, dass man sich Zeit lassen wolle. Eine Zinserhöhung im September ist voll eingepreist, doch Investoren suchen nach Hinweisen auf eine frühere Anhebung. Sollten die britischen CPI-Daten am Mittwoch eine Beschleunigung der Verbraucherpreise nach dem Rückgang im April signalisieren, könnte dies eine hawkishere Botschaft am Donnerstag hervorrufen und eine Juli-Anhebung wahrscheinlicher machen, was das Pfund stützen könnte.

Marktausblick und Anlegereinschätzung

Diese Woche wird von einer Flut zentralbankischer Ankündigungen geprägt sein, die erhebliche Auswirkungen auf die globalen Märkte haben dürften. Die Fed steht unter dem Druck starker Wirtschaftsdaten und steigender Inflation, was die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bis Jahresende erhöht. Händler sollten insbesondere auf die Kommunikation von Kevin Warsh achten, um Hinweise auf den zukünftigen geldpolitischen Kurs zu erhalten. Ein hawkisches Signal der Fed könnte den US-Dollar weiter stärken und die Renditen von US-Staatsanleihen in die Höhe treiben.

Für die BoJ besteht die Herausforderung darin, den Yen zu stabilisieren, ohne den Markt mit einer zu aggressiven Haltung zu verunsichern. Eine interventionistische Politik gepaart mit einer vorsichtigen Zinsanhebung könnte der Schlüssel sein. Die RBA und die BoE stehen vor der schwierigen Aufgabe, die Inflation zu bekämpfen, ohne die bereits fragile Konjunktur abzuwürgen. Eine hawkische Pause bei beiden Zentralbanken könnte den AUD und das GBP kurzfristig unterstützen, aber die langfristige Richtung wird von den weiteren Inflationsdaten abhängen.

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