Globale LNG-Krise: US-Erdgaspreise zeigen sich unbeeindruckt
US-Markt trotzt globalen Turbulenzen
Während Europa und Asien mit den höchsten Erdgaspreisen seit drei Jahren zu kämpfen haben, ausgelöst durch die Unterbrechung von 20% der globalen LNG-Lieferungen infolge des Nahostkonflikts, zeigen sich die Vereinigten Staaten bemerkenswert unbeeindruckt. Die US-Erdgas-Futures bewegen sich seit Beginn der Krise in einer Spanne von 3,10 bis 3,40 US-Dollar pro Million British Thermal Units (MMBtu). Auslöser der globalen Preisexplosion war unter anderem die Produktionsunterbrechung in Ras Laffan, dem weltweit größten Verflüssigungskomplex in Katar, dem zweitgrößten LNG-Exporteur der Welt. Katar erklärte zudem Force Majeure, da die Straße von Hormus für Tanker unpassierbar wurde, was effektiv etwa 20% der globalen LNG-Ströme blockierte, die diesen kritischen Öl- und LNG-Knotenpunkt passieren. Die Folge waren explodierende Gaspreise in Europa und Asien, die auf Dreijahreshochs kletterten. Asien intensivierte den Wettbewerb um Spotlieferungen und zog flexible LNG-Ladungen aus Europa ab.
Die USA, der weltweit größte LNG-Exporteur, verzeichnen jedoch keine vergleichbaren Preissprünge im Inland. Der Grund: Die Exportanlagen laufen bereits auf Volllast, sodass kaum zusätzliches Gas für LNG-Exporte umgeleitet werden kann. Hinzu kommt, dass die inländische Trockengasproduktion steigt und weiter steigen wird, da die Produzenten die Gewinnmargen maximieren wollen und auch die Produktion von Begleitgas aus der Ölförderung zunimmt.
Wintersturm als Preistreiber
Der bisher größte Preisanstieg bei US-Erdgas in diesem Jahr ereignete sich Ende Januar während des heftigen Wintersturms Fern. Die US-Erdgas-Futures am Henry Hub stiegen sprunghaft an, als arktische Kälte über den Osten der USA hereinbrach. Die Erdgaspreise kletterten über die Marke von 6 US-Dollar pro MMBtu und verdoppelten sich innerhalb einer Woche, was die stärkste Rallye seit den 1990er Jahren darstellte. Trotz der zunehmenden Vernetzung der globalen Energiemärkte reagieren die Henry Hub-Preise derzeit deutlich stärker auf die inländischen Angebots- und Nachfragefaktoren als auf globale Schocks, da die Kapazitäten für zusätzliche LNG-Exporte, die Gas aus den USA abziehen würden, begrenzt sind.
Entwicklung und Prognosen
Aktuell liegen die US-Erdgaspreise 50% unter dem Januarhoch und etwa 25% niedriger als im Vorjahr. Zum Ende der Wintersaison lagen die US-Gasbestände für die Woche zum 27. Februar über dem Vorjahresniveau und innerhalb der historischen Fünfjahresspanne, wie die EIA in ihrem jüngsten Wochenbericht schätzt. Im monatlichen Short-Term Energy Outlook (STEO) prognostiziert die EIA, dass die US-Erdgaspreise von dem Schock der LNG-Versorgung im Nahen Osten relativ unbeeinflusst bleiben werden.
Die Behörde prognostiziert außerdem, dass der Henry Hub-Spotpreis im Jahr 2026 durchschnittlich etwa 3,80 US-Dollar pro MMBtu betragen wird, was einem Rückgang von 13% gegenüber den Prognosen des Vormonats entspricht. Die niedrigeren Preise im ersten Teil des Prognosezeitraums sind auf die im Februar milderen Temperaturen als erwartet zurückzuführen, wodurch mehr Erdgas in den Speichern verblieb. Der Henry Hub-Spotpreis wird im Jahr 2027 durchschnittlich fast 3,90 US-Dollar pro MMBtu betragen, was 12% unter der Prognose des Vormonats liegt.
„Die niedrigeren Preise im Jahr 2027 spiegeln vor allem die höhere Produktion von Begleitgas infolge des jüngsten Anstiegs der Ölpreise und des damit verbundenen Produktionsanstiegs im weiteren Verlauf der Prognose wider“, so die EIA.
Ausblick für Händler und Investoren
Die Gasverknappung außerhalb Amerikas kann nicht durch US-LNG-Exporte ausgeglichen werden. Die Anlagen laufen bereits nahezu auf Volllast. Selbst die neuen Kapazitäten, die im Laufe dieses Jahres von Golden Pass LNG in Texas und der Ausbau von Cheniere Energys Corpus Christi Stage 3 hinzukommen sollen, würden nur etwa 20% dessen ausmachen, was durch die Stilllegung von QatarEnergys Ras Laffan verloren gegangen ist.
Für Trader bedeutet dies, dass der US-Erdgasmarkt weiterhin primär von inländischen Faktoren beeinflusst wird. Globale Ereignisse wie der Nahostkonflikt haben zwar Auswirkungen auf die internationalen Märkte, der Einfluss auf die US-Preise bleibt jedoch begrenzt. Anleger sollten daher die inländische Produktion, die Lagerbestände und die Wetterbedingungen genau beobachten, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Insbesondere der Henry Hub Preis bleibt ein wichtiger Indikator. Auch die Entwicklung von WTI und Brent Ölpreisen sollte beachtet werden, da diese die Produktion von Begleitgas beeinflussen.
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