Seltene Ausnahme? Trump erwägt Aussetzung des Jones Act inmitten steigender Ölpreise
Droht eine Ölpreis-Eskalation?
Die Regierung Trump erwägt eine außergewöhnliche Maßnahme: die Aussetzung des über 100 Jahre alten Jones Act. Dieser Schritt wurde in der Vergangenheit nur in Notfällen wie Hurrikanen oder schweren Versorgungsengpässen unternommen. Aktuell wird eine etwa 30-tägige Aussetzung dieses Seefahrtsgesetzes diskutiert, da der Konflikt im Nahen Osten die Öl- und Kraftstoffpreise in die Höhe treibt und globale Schifffahrtsrouten beeinträchtigt.
Konkret würde eine solche Aussetzung ausländischen Tankern erlauben, Öl, Benzin, Diesel, Flüssigerdgas und Düngemittel zwischen US-Häfen zu transportieren. Dies ist normalerweise durch den Jones Act untersagt, einem Gesetz aus den 1920er Jahren, das vorschreibt, dass alle Waren, die zwischen amerikanischen Häfen verschifft werden, auf Schiffen transportiert werden müssen, die in den USA gebaut wurden, unter US-Flagge fahren und sich mehrheitlich in US-amerikanischem Besitz befinden. Die Befürworter sehen darin eine Maßnahme zur nationalen Sicherheit, die die heimische Schiffbauindustrie unterstützt und eine US-Handelsflotte erhält.
Auswirkungen und Hintergründe
Allerdings schränkt der Jones Act auch die Anzahl der Schiffe ein, die für den Transport von Kraftstoffen innerhalb des Landes zur Verfügung stehen. Ausnahmen sind selten und werden nur dann gewährt, wenn Versorgungsengpässe drohen, bestimmte Regionen ohne Kraftstoffversorgung zurückzulassen. Nach den Hurrikanen Harvey und Maria im Jahr 2017 sowie nach Hurrikan Sandy im Jahr 2012 wurden temporäre Ausnahmen erteilt, um die Treibstofflieferungen zu beschleunigen. Ähnliche, zeitlich begrenzte Ausnahmen gab es auch nach größeren Pipeline-Ausfällen und Naturkatastrophen.
Der aktuelle Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Washington nach Wegen sucht, die Auswirkungen des eskalierenden Konflikts mit dem Iran abzumildern. Dieser Konflikt hat den Tankerverkehr durch die Straße von Hormus beeinträchtigt, einen Engpass, durch den normalerweise etwa ein Fünftel der globalen Ölflüsse fließt. In den USA sind die Benzinpreise bereits gestiegen. Der nationale Durchschnitt erreichte am Donnerstag 3,60 Dollar pro Gallone, den höchsten Stand seit Mai 2024, wie die AAA mitteilte. Die Dieselpreise stiegen auf 4,89 Dollar pro Gallone, den höchsten Stand seit Ende 2022.
Was bedeutet das für Trader?
Die Zulassung ausländischer Schiffe für den Treibstofftransport zwischen US-Häfen würde die Transportkapazität erhöhen und dazu beitragen, Treibstoff von der Golfküste effizienter in importabhängige Märkte wie den Nordosten und die Westküste zu transportieren. Analysten gehen davon aus, dass die Aussetzung nur einen begrenzten Effekt haben wird. Schätzungen zufolge könnte sie den Anstieg der Benzinpreise um etwa fünf bis zehn Cent pro Gallone verlangsamen. Dies dürfte jedoch die umfassenderen Auswirkungen eines globalen Ölpreisschocks kaum ausgleichen.
Für Trader bedeutet dies, dass die Entwicklungen rund um den Jones Act und die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten genau beobachtet werden sollten. Ein möglicher Profiteur dieser Entwicklung könnte der Energiesektor sein, insbesondere Unternehmen, die in der Ölförderung und -logistik tätig sind. Gleichzeitig steigt der Druck auf alternative Energiequellen, da die Volatilität der Ölpreise deren Attraktivität erhöht. Es ist ratsam, die Preisentwicklung von Brent und WTI genau zu verfolgen, da diese als wichtige Indikatoren für die globale Ölversorgungslage dienen. Auch die Entwicklung des Euro/US-Dollar-Kurses (EUR/USD) könnte relevant sein, da Ölpreise oft in Dollar notiert werden.
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