Zentralbanken im Fokus Was kommt nach den Inflationsängsten? - Forex | PriceONN
Nachdem Ölpreise aufgrund geopolitischer Spannungen im Nahen Osten zu Wochenbeginn gestiegen waren, rücken nun die bevorstehenden Zinsentscheidungen der globalen Zentralbanken in den Mittelpunkt. Die volatile Gemengelage aus steigenden Energiepreisen und wachsender Konjunkturschwäche stellt die Notenbanken vor schwierige Entscheidungen.

Ölpreis-Volatilität trifft auf globale Inflationssorgen

Die Handelswoche begann mit einem vertrauten Muster: Ölpreise schossen zu Handelsbeginn in die Höhe, um dann einen Teil der Gewinne wieder abzugeben, während Investoren die jüngsten Nachrichten aus dem Nahen Osten verdauten. Zu den signifikanten Entwicklungen zählte die Bombardierung eines wichtigen iranischen Exportzentrums am späten Freitag. Iran kündigte zudem an, dass die Straße von Hormuz potenziell von Ländern genutzt werden könnte, die nicht den USA, Israel und deren Verbündeten angehören. Unklar bleibt hierbei die genaue Definition und Durchsetzung des Begriffs "Verbündete". Parallel dazu signalisierte die Internationale Energieagentur (IEA), dass die Ölreserven – jene 400 Millionen Barrel aus strategischen Beständen – kurzfristig für Asien bereitgestellt werden könnten, eine Region, die besonders stark vom Öltransport durch die Straße von Hormuz abhängig ist.

Die Bombardierung der Insel Kharg und die anhaltenden Attacken zwischen den Konfliktparteien deuten darauf hin, dass eine baldige Beilegung des Konflikts unwahrscheinlich ist. Dennoch gab es am Morgen in Asien erste Erleichterungssignale, da zwei mit Flüssigerdgas (LPG) beladene Tanker auf dem Weg nach Indien die strategische Wasserstraße erfolgreich passieren konnten. Die USA haben unterdessen Länder weltweit aufgefordert, Schiffe zur Sicherung der Schifffahrtsrouten in die Region zu entsenden. Die Reaktionen darauf fielen jedoch gemischt aus, da die Entsendung von Schiffen eine politisch und geopolitisch äußerst sensible Maßnahme darstellt.

US-Rohöl (WTI) startete die Woche mit einem Sprung über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel und konsolidiert nun nahe 98,50 US-Dollar. Brent-Rohöl begann knapp unterhalb der 100-Dollar-Marke und wird nun leicht darüber gehandelt. Dubai-Rohöl zeigt eine divergente Entwicklung und notiert über 123 US-Dollar. Die Hoffnung auf fortgesetzte Ölflüsse nach Asien beflügelte mehrere regionale Aktienindizes: Der Nikkei stieg zum Zeitpunkt der Berichterstattung um fast 1%, der koreanische Kospi erholte sich um mehr als 1%. Chinas CSI 300 gab zwar zu Handelsbeginn nach, konnte jedoch frühe Verluste auf Basis besser als erwarteter Daten zu Investitionen, Produktion und Einzelhandelsumsätzen wettmachen, obwohl ein Anstieg der Arbeitslosenquote Bedenken aufwarf.

US-Wirtschaftsdaten und die Zinsentscheidung der Fed

Am Freitag überraschten die US-Wirtschaftsdaten – und das nicht unbedingt positiv. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA wurde für das vierte Quartal auf nur noch 0,7% revidiert, verglichen mit 1,4% im Vormonat und deutlich unter den 4,4% des dritten Quartals. Die Umsätze stiegen lediglich um 0,4%, während der Preisdruck auf 3,8% anstieg. Aktuellere Daten zeigten, dass der Kernindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE) – die bevorzugte Inflationsmessgröße der Federal Reserve (Fed) – im Januar leicht auf 3,1% von 3,0% im Vormonat anstieg. Dieser Anstieg war weitgehend erwartet und bereits eingepreist. Dennoch, die Bestätigung, dass der Preisdruck bereits vor dem Nahostkonflikt und den daraus resultierenden Energiepreissteigerungen zunahm, beruhigte die als "dovish" geltenden Stimmen innerhalb der Fed kaum.

Die Fed wird diese Woche tagen und wird höchstwahrscheinlich die Zinsen unverändert lassen. Der Druck aus dem Weißen Haus dürfte dies kaum ändern, insbesondere nachdem die Begründung für die Kritik an Jerome Powell als "dünn und unbegründet" eingestuft wurde. Folglich sind in dieser Woche keine Zinssenkungen in den USA zu erwarten – und möglicherweise auch keine im laufenden Jahr. Sollte der Krieg andauern und die Energiepreise hoch bleiben, bleiben Zinssenkungen unwahrscheinlich. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen erreicht derzeit den höchsten Stand seit letztem August, während der US-Dollar-Index auf den höchsten Stand seit November stieg. Der Greenback zeigt sich am Morgen in Asien schwächer, was auch die regionalen Aktienmärkte unterstützt. Der Konflikt ist jedoch noch lange nicht vorbei, und die Aufwertung des US-Dollars könnte in den kommenden Wochen anhalten, begleitet von steigenden globalen Energiepreisen und schwindenden Erwartungen an eine lockerere Geldpolitik der Fed.

Globale Zentralbanken zwischen Inflation und Rezessionsangst

Die Fed ist jedoch nicht die einzige Zentralbank, die diese Woche eine Entscheidung verkündet. Der Kalender ist gefüllt mit wichtigen geldpolitischen Treffen: Die Europäische Zentralbank (ECB), die Bank of England (BoE), die Schweizerische Nationalbank (SNB), die Bank of Japan (BoJ), die Reserve Bank of Australia (RBA) und die People's Bank of China (PBoC) werden ihre neuesten geldpolitischen Entscheidungen bekannt geben. Ihre Aufgabe ist alles andere als einfach. Alle diese Institutionen stehen vor einem Dilemma: dem drohenden Inflationsschub durch steigende Öl- und Gaspreise einerseits und der Gefahr einer Konjunkturabschwächung mit steigender Arbeitslosigkeit andererseits.

Die EZB beispielsweise erwartete noch vor zwei Wochen eine Beibehaltung der Zinsen. Nun fragen sich die Märkte jedoch, ob die Bank möglicherweise weiter straffen muss, um "denselben Fehler" wie während der Energiekrise nach der Invasion der Ukraine zu vermeiden. Die Bank of England hatte zuvor Zinssenkungen in Aussicht gestellt, in der Erwartung, dass die Inflation sich dem 2%-Ziel nähere und eine Lockerung die Wirtschaft stützen könne. Die britische Wirtschaft benötigt dringend Unterstützung: Jüngste Daten zeigten, dass die britische Wirtschaft im Januar überhaupt nicht gewachsen ist. Leider wird das Vereinigte Königreich diese Unterstützung möglicherweise noch nicht erhalten – die BoE muss sich zunächst mit den erneuten Inflationsrisiken auseinandersetzen, bevor sie das Wachstum ankurbeln kann.

Die SNB wird voraussichtlich die Zinsen unverändert lassen. Der starke Franken könnte helfen, die Auswirkungen steigender Ölpreise auf die Inflation abzufedern und der SNB Spielraum für eine Pause zu verschaffen. Für die BoJ dürften steigende Energiepreise und die deutliche Abwertung des Yen die Bank weiterhin auf einem Pfad der weiteren Normalisierung halten. Die RBA hingegen wird voraussichtlich am Dienstag eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ankündigen, um Inflationsrisiken zu begegnen. Zusammenfassend lässt sich sagen: Weltweit dürften die Zentralbanken eher hawkishe Signale aussenden. Dies könnte die Marktstimmung in dieser Woche belasten, sofern die Spannungen im Nahen Osten nicht deeskalieren.

Für diejenigen, die nach Abwechslung im Nachrichtenfluss suchen, bietet die NVIDIA GTC, die von heute bis Donnerstag stattfindet, eine willkommene Ablenkung. NVIDIA und Jensen Huang werden voraussichtlich ihre neueste Chip-Roadmap vorstellen. Solche Ankündigungen haben oft weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Technologiesektor und bewegen Halbleiteraktien. Es bleibt abzuwarten, ob diese Entwicklungen im Schatten der kriegsbedingten Schlagzeilen genügend Aufmerksamkeit erhalten.

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