Fed-Zähler läuft während US-Inflationsdaten und geopolitische Risiken die Märkte in Atem halten
Der Countdown zur Warsh-Premiere hat begonnen
Es ist offiziell: Der Countdown zum bislang wichtigsten Termin des Jahres läuft. Am 17. Juni leitet Fed-Chef Warsh seine erste Sitzung, und die kommende Handelswoche liefert die passende Vorspeise für seine Debüt-Pressekonferenz. Doch die Aufmerksamkeit der Anleger dürfte anderswo liegen. Die jüngste Eskalation im Nahen Osten hat die zuvor vorherrschende Zuversicht vorerst gebremst.
Trotzdem hält sich die Hoffnung auf einen ersten Schritt zwischen den USA und Iran, der die nukleare Zukunft Teherans zu einem späteren Zeitpunkt regeln soll. Pikant: US-Präsident Trump soll dem israelischen Premier Netanyahu sogar widersprochen haben, weil die jüngsten israelischen Operationen im Libanon das Abkommen mit Iran gefährden. Die Ölpreise notieren weiter erhöht, doch die Reaktion der Investoren auf neue Schlagzeilen fällt deutlich gelassener aus. Ein rascher Preisrutsch beim Öl bleibt allerdings unrealistisch, denn dafür müssten die Versorgungsrouten vollständig normalisiert werden, ein Prozess, der selbst bei einer sofortigen Einigung Monate dauern könnte.
Parallel hat Washington angekündigt, den im Juli auslaufenden globalen Zoll von 10% nach Section 122 durch neue Section-301-Abgaben zu ersetzen. Die neuen Sätze sollen zwischen 10% und 12,5% liegen, wobei China, Indien, Japan und Südkorea der höhere Satz droht. Der Start ist im Juli vorgesehen, nach einer Prüfung Land für Land.
Ungewöhnlich ruhige Volatilität
Überraschend gedämpft bleibt die Schwankungsbreite über die Anlageklassen hinweg. Die einmonatige implizite Volatilität für Euro/Dollar und Gold ist auf den niedrigsten Stand seit Mitte Januar abgestürzt, während die S&P-500-Volatilität fast die Februar-Niveaus erreicht hat. Anders das Bild bei Yen-Paaren und dem Nikkei 225, wo die Nervosität vor der entscheidenden BoJ-Sitzung spürbar zunimmt.
Entscheidende US-Daten setzen den Ton
Dieses ruhige Profil könnte schon kommende Woche kippen. Am Mittwoch steht der Juni-CPI an, am Donnerstag folgt der PPI. Erste Prognosen deuten auf eine erneute Beschleunigung hin: Die Gesamt- und Kerninflation könnten auf 4,2% beziehungsweise 3% klettern, der höchste Wert seit Juni 2023. Die eigentliche Kopfschmerzquelle aber sind die Erzeugerpreise. Der Jahreswert dürfte über 6,5% springen, so hoch wie zuletzt im Januar 2023, und angesichts der zeitlichen Verzögerung zwischen beiden Reports die Tür für weitere CPI-Anstiege öffnen.
Pricing-Daten bestätigen die Sorge um den Konsumenten: Auf die wohl kräftigeren Inflationszahlen könnte am Freitag ein erneutes Rekordtief beim vorläufigen Verbrauchervertrauen der University of Michigan folgen. Eine Bestätigung dieser frühen Schätzungen erhöht zwar nicht zwangsläufig die Chance auf eine restriktive Sitzung in der Folgewoche, sie verkompliziert aber Warshs erste Wochen im Amt erheblich. Trump wählte ihn wegen seiner taubenhaften Haltung, doch die wachsenden Preisdrücke wird der neue Chef kaum ignorieren können. Bei seinen Anhörungen im Mai betonte er, die Glaubwürdigkeit der Fed wiederherstellen und die Bilanz verkürzen zu wollen, was Fragen nach seiner wahren Ausrichtung aufwirft.
Der US-Dollar war der Protagonist der Woche. Setzt Trump tatsächlich auf eine gedämpfte Zollstrategie, könnte sich der Greenback widerstandsfähiger zeigen als erwartet. Eine US-Iran-Lösung würde Euro/Dollar nach oben treiben, doch der günstige Zinsabstand, anhaltende Aktienzuflüsse und die robuste Konjunktur dürften größere Verluste abfedern.
EZB vor der Zinswende, doch wie restriktiv?
Neben den US-Daten könnte die EZB-Sitzung am Donnerstag die Erwartungen an eine restriktivere Fed verstärken. Lagarde und Kollegen dürften die erste Zinserhöhung seit September 2023 ankündigen und damit eingestehen, dass das Negativszenario eintritt. Eine Wiederöffnung der Straße von Hormus wäre willkommen, würde die Erhöhung am Mittwoch aber nicht aufhalten.
Eine Juli-Erhöhung wird nicht vorab angekündigt, doch Lagarde kann die Erwartungen leicht lenken, sollten die Falken darauf drängen. Ein ähnliches Signal könnten auch die Stabsprojektionen senden, falls die CPI-Werte für 2026 aggressiv nach oben revidiert werden. Trotz der restriktiveren Haltung gelingt dem Euro kein kräftiger Anstieg gegenüber dem Dollar. Was den Ausblick wirklich verändern würde, wäre ein Ende des Ukraine-Russland-Krieges und eine Normalisierung der Handelsbeziehungen.
BoC, Aussie und die Hoffnung des Yen
Die Bank of Canada dürfte am Mittwoch stillhalten, besorgt über den schwächeren Arbeitsmarkt und die nachlassende Dynamik. Der schwache April-CPI und die Q1-BIP-Zahlen haben restriktive Gedanken verworfen, zumal der USMCA-Review im Juli und ein US-Zoll von 10% auf bestimmte kanadische Importe belasten. Beim Aussie zählt vor allem die Westpac-Umfrage zum Konsumklima, doch enttäuschende Daten aus China am Mittwoch könnten ebenfalls bewegen. Sowohl Loonie als auch Aussie drohen erneut auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.
Mit Dollar/Yen knapp unter 160 scheint das japanische Finanzministerium bis zur BoJ-Sitzung am 16. Juni zu warten. Enttäuscht die erwartete Zinserhöhung samt Rhetorik, dürfte die BoJ zu aggressiven Interventionen gezwungen sein.
Aktien hoch, Krypto im Chaos, Gold mit Lebenszeichen
Die US-Indizes binden weiter die Marktflüsse und notieren nahe ihren Rekordständen. Die KI-Euphorie erlitt durch die Broadcom-Zahlen einen kleinen Dämpfer, doch es braucht mehr als einen mittelmäßigen Bericht, um den Appetit zu trüben. Berichte von Oracle und Adobe sowie der SpaceX-Börsengang könnten die Sorgen um überdehnte Bewertungen befeuern. Seit Ende März ist die Rally mit 20% in gut zwei Monaten exponentiell verlaufen, eine Korrektur könnte das Fundament stärken. Reagieren Anleger reif auf einen Rückgang von 5% Richtung 7.000? Gold bleibt fast ausschließlich vom Dollar getrieben und durch Verkäufe von Staaten belastet, die ihre Währungen stützen oder Ölerlöse ersetzen wollen.
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