Pfund unter Druck: Eine schwierigere Aufgabe für die Bank of England
Geldpolitische Divergenz belastet das Pfund
Die unterschiedlichen Kursentwicklungen der US-Notenbank (Fed) und der Bank of England (BoE) setzen das Währungspaar GBP/USD zunehmend unter Druck und treiben es nach unten. Ein schwächeres britisches Pfund wirkt sich pro-inflatorisch auf die heimische Wirtschaft aus. Der US-Dollar verzeichnete derweil seine beste tägliche Performance seit Anfang März, beflügelt durch eine überraschend hawkische Haltung der Fed.
Neun Mitglieder des Federal Open Market Committee (FOMC) signalisierten in ihren Prognosen, dass eine oder mehrere Anhebungen des Leitzinses (Federal Funds Rate) im Jahr 2026 stattfinden werden. Lediglich ein einziger Offizieller rechnete mit einer Senkung, verglichen mit zwölf im März. Diese Haltung, gepaart mit der Entschlossenheit, die Inflation um jeden Preis auf das Zielniveau zurückzuführen, ließ den Dollar-Index auf ein 2,5-Monats-Hoch steigen. Die straffere Geldpolitik der Fed hat die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September von 29% auf 62% erhöht.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung im Jahr 2026 wird auf 85% geschätzt, für zwei Anhebungen auf 46%. Zusammen mit einem Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen hat dies den Dollar gegenüber den wichtigsten globalen Währungen gestärkt. Dies führte unter anderem dazu, dass GBP/USD den schärfsten Rückgang seit Februar erlebte.
Herausforderungen für die Bank of England
Die Bereitschaft der Fed, die Geldpolitik zu straffen, erschwert die Situation für die Bank of England erheblich. Obwohl der Forward-Markt eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Jahr 2026 nicht ausschließt, mehren sich die Stimmen von Investoren, die davon ausgehen, dass die Kreditkosten unverändert bleiben werden. Die britische Wirtschaft zeigt deutliche Schwächezeichen.
Inflationsschätzungen gehen davon aus, dass die Teuerungsrate im Jahr 2026 bei 3% ihren Höhepunkt erreichen wird. Dies liegt unter dem optimistischsten Szenario der BoE, das von einem Preisanstieg von 3,6% ausging. Das pessimistische Szenario ging von einem Anstieg der Inflation auf 6% Anfang 2027 aus. Sollte die Fed in diesem Jahr die Zinsen anheben, während die Bank of England diese auf dem aktuellen Niveau belässt, wird die Divergenz in der Geldpolitik den GBP/USD-Wechselkurs weiter drücken und die Inflation in Großbritannien beschleunigen.
Angesichts dieser Umstände wäre es für Andrew Bailey und seine Kollegen ratsam, einen hawkishen Ton anzuschlagen. Die Tür für eine Anhebung des Schlüsselsatzes sollte offen gehalten werden, auch wenn eine tatsächliche Umsetzung derzeit nicht zwingend notwendig erscheint. Diese geldpolitische Ausrichtung könnte der BoE helfen, die Inflationserwartungen besser zu steuern und die Glaubwürdigkeit zu wahren, während sie gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung im Auge behält.
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