US-Arbeitsmarktdaten enttäuschen – Fed-Zinswende rückt in weite Ferne - Forex | PriceONN
Der US-Arbeitsmarkt zeigte im Juni eine unerwartete Schwäche, was die Erwartungen an eine baldige Zinserhöhung durch die Fed dämpfte und den Dollar unter Druck setzte. Gleichzeitig befeuern Berichte über politische Einflussnahme auf die Fed die Unsicherheit.

US-Arbeitsmarkt zeigt überraschende Schwäche – Fed-Entscheidung vorerst vertagt

Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten für Juni stellten sich als entscheidende Inputgröße für die geldpolitischen Entscheidungen der Federal Reserve (Fed) heraus. Fed-Chef Warsh hatte zu Beginn seiner Amtszeit eine klare Preisstabilität als oberstes Mandat betont. Starke Beschäftigungszahlen in den Vormonaten ließen vermuten, dass das zweite Mandat der Fed, die maximale Beschäftigung, derzeit keine besondere Aufmerksamkeit erfordert. Die Daten für Juni widersprachen dieser Annahme jedoch deutlich.

Die US-Wirtschaft schuf im Juni lediglich 57.000 neue Stellen, weit unter den prognostizierten 113.000. Zudem wurden die Zahlen der beiden Vorjahre um insgesamt 74.000 nach unten korrigiert. Besonders auffällig war der negative Beitrag aus dem Sektor Gastgewerbe und Freizeit, der 61.000 Stellen verlor. Positiv entwickelten sich hingegen der professionelle und geschäftliche Dienstleistungssektor (+36.000) sowie das private Bildungs- und Gesundheitswesen (+69.000). Die Arbeitslosenquote sank zwar von 4,3% auf 4,2%, dies war jedoch primär auf einen Rückgang der Erwerbsbeteiligung zurückzuführen. Die Erwerbsbevölkerung verringerte sich um 720.000, während die Beschäftigung nur um 507.000 zurückging. Die durchschnittlichen Stundenlöhne entwickelten sich wie erwartet mit einem Anstieg von 0,3% monatlich und 3,5% jährlich.

Diese unerwarteten Schwankungen in den zugrundeliegenden Daten könnten Warshs Initiative zur Überprüfung der Datennutzung bei geldpolitischen Bewertungen rechtfertigen. Insgesamt signalisieren die Daten jedoch, dass der US-Arbeitsmarkt zwar in einem Gleichgewicht verharrt, es aber derzeit keinen unmittelbaren Anlass für die Fed gibt, aufgrund einer weiter straffenden Lage vorschnell zu handeln.

Anleihenmärkte reagieren mit steilerer Zinskurve – Dollar unter Abgabedruck

Trotz begrenzter Tagesveränderungen steilte sich die US-Zinskurve auf. Die Rendite zweijähriger Anleihen fiel um 3,7 Basispunkte, während die Rendite 30-jähriger Anleihen leicht auf 1,5 Basispunkte stieg. Die Markterwartungen für eine Zinserhöhung der Fed im Juli liegen nun bei unter 20%. Eine vollständige Einpreisung eines 25-Basispunkte-Schritts wird erst gegen Jahresende erwartet. Parallel zu den US-Daten zeigten auch die europäischen und britischen sowie japanischen Anleihemärkte eine breite Aufwärtsbewegung der Renditen. Die deutschen Renditen stiegen zwischen 2,3 Basispunkten (Zweijährige) und 4,5 Basispunkten (30-Jährige).

Auf den Devisenmärkten geriet der Dollar infolge der schwächeren US-Arbeitsmarktdaten unter Druck. Der DXY fiel von 101,4 auf 100,86 Punkte. Das EUR/USD-Paar kletterte über die Marke von 1,14 und schloss bei 1,1432. Selbst der Yen, der zuletzt stark unter Druck stand, konnte sich von seinen Mehrjahrestiefs gegenüber dem Dollar erholen. USD/JPY fiel von 162,6 auf rund 161,1.

Die US-Aktienmärkte erhielten nach den Arbeitsmarktdaten zunächst einen kurzfristigen Schub. Der Dow Jones (+1,14%) schloss auf einem Allzeithoch. Der verlor hingegen 0,8%, was auf eine mögliche Rotation im Markt hindeutet. US-Märkte bleiben heute aufgrund des Unabhängigkeitstages geschlossen. In Europa und Großbritannien stehen lediglich einige nachrangige Wirtschaftsdaten auf der Agenda, was auf ordergetriebenen, technischen Handel hindeutet. Yen-Händler werden auf mögliche Interventionen der japanischen Behörden angesichts geringer Marktliquidität achten.

Politische Einflussnahme auf die Fed – Sorge um Unabhängigkeit wächst

Berichte über Bestrebungen der Trump-Administration, Mitglieder des Fed-Boards auszutauschen und durch eigene Kandidaten zu ersetzen, sorgen für zusätzliche Unsicherheit. Dies geschah kurz nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, die die Entlassung von Gouverneurin Cook wegen mutmaßlichen Hypothekenbetrugs aufhob, da Trump ihr keine ordnungsgemäßen Anhörungsverfahren gewährte. Die Administration sieht diese Entscheidung nun als verfahrenstechnische Grundlage, um Cook doch noch zu entfernen. Gleichzeitig wächst die Frustration über den ehemaligen Fed-Vorsitzenden Powell, der trotz des Protokolls weiterhin dem Board angehört.

Obwohl die Untersuchung zur Renovierung des Fed-Hauptquartiers im April eingestellt wurde, könnte sie wieder aufgenommen werden. Die Administration richtet ihr Augenmerk auch auf regionale Fed-Mitglieder. Die Suche nach einem neuen Präsidenten der Atlanta Fed nach Bostics Rücktritt im Februar soll bis zur Amtseinführung des von Trump favorisierten neuen Fed-Vorsitzenden Warsh pausiert worden sein, um ihm Mitspracherecht zu gewähren. In Bezug auf internationale Märkte scheint für einige europäische Staatschefs die Verhängung von Gebühren für Schiffe, die die Straße von Hormuz passieren, auf Iran und Oman unvermeidlich. Oman orientiert sich dabei am Beispiel der Straße von Malakka in Asien, die von Indonesien, Malaysia und Singapur verwaltet wird und Nutzungsgebühren erhebt.

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