EZB peilt Zinserhöhung im September an – Ölpreise treiben Märkte an - Forex | PriceONN
Berichten zufolge ist die Europäische Zentralbank (EZB) bereit, die Zinssätze im September anzuheben, während steigende Ölpreise und geopolitische Spannungen die globalen Märkte belasten und eine Flucht in risikoscheue Anlagen auslösen.

EZB unter Druck: Zinswende im September wahrscheinlich

Die Europäische Zentralbank (EZB) scheint ihre Zinspolitik zu überdenken und signalisiert laut ungenannten Quellen eine mögliche Zinserhöhung im September. Obwohl die Leitzinsen gestern in Frankfurt unverändert blieben, räumte EZB-Präsidentin Lagarde ein, dass intern über eine Anhebung diskutiert wurde. Sie betonte die Fülle an Wirtschaftsdaten, die in den kommenden Wochen erwartet werden, und deutete an, dass die entscheidende Debatte wohl beim Treffen am 10. September stattfinden wird. Dieses Treffen wird auch aktualisierte Prognosen liefern, die als Grundlage für zukünftige Entscheidungen dienen könnten.

In Bezug auf ihre eigenen Szenarien erwähnte die Zentralbank, dass die aktuellen Energiepreise nahe am Basisszenario vom Juni liegen, welches zwei bis drei Zinserhöhungen vorsah. Lagarde fügte hinzu, dass die mildere Variante dieses Szenarios als „ziemlich unwahrscheinlich“ einzustufen sei. Ihre Einschätzung einer ausgewogeneren Risikobewertung, die sie zuvor in Sintra kommunizierte – mit weniger aufwärtsgerichteten Inflationsrisiken und weniger abwärtsgerichteten Wachstumsrisiken – sei heute nicht mehr haltbar. Sie zeigte sich besorgt über die Möglichkeit, dass neue Absichtserklärungen oder Waffenstillstände möglicherweise nicht mehr die gleiche scharfe Reaktion am (Öl-)Markt hervorrufen wie zuvor, und zitierte das Sprichwort „Ein gebranntes Kind scheut das Feuer“.

Die Geldmärkte im Euroraum preisen eine 90%ige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September ein, wobei eine dritte Anhebung bis Jahresende ebenfalls mit gleicher Wahrscheinlichkeit erwartet wird. Lagarde wies darauf hin, dass die Reaktionsfunktion der Zentralbank „sehr gut verstanden“ werde. Die Reaktion auf die EZB-Signale wurde jedoch von den starken Bewegungen an den Energiemärkten überschattet.

Energiekrise und geopolitische Risiken dominieren die Märkte

Brent-Rohöl kletterte zurück in den dreistelligen Dollarbereich, nachdem Berichte darauf hindeuteten, dass US-Präsident Trump kurz vor einem „massiven Angriff“ auf den Iran stehe. Dies sei eine Reaktion auf die Eröffnung einer neuen Front im Jemen durch die Houthis, welche eine wichtige Öl-Transportader in der Straße von Bab-al-Mandab blockiere. Die niederländischen TTF-Gaspreise schossen auf ein neues Nachkriegshoch, bevor sie einen Teil der Gewinne wieder abgaben und bei rund 62 €/MWh notierten. Dies führte zu einer weiteren bärischen Abflachung der Renditen von Kernanleihen.

Die US-Renditen stiegen um 1,4 bis 5,1 Basispunkte, während die europäischen Renditen um bis zu 4,5 Basispunkte zulegten. Sowohl die kurz- als auch die langfristigen Zinsen im Euroraum und in den USA bestätigten den Ausbruch über die vorherigen 2026er-Hochs. Auch die 10-jährige US-Rendite überschritt diese Marke. Die deutsche 10-jährige Anleiherendite erreichte ein neues 15-Jahres-Hoch. Dieses „Risk-off“-Sentiment breitete sich auf die Aktienmärkte aus, wobei der Technologiesektor mit einem Rückgang von mehr als 2% führend war. Ein Unterstützungsniveau um 25.000 Punkte verhinderte stärkere Verluste im Dow Jones.

Der US-Dollar zeigte sich im Devisenhandel stark und übertraf alle anderen Währungen. Das Paar EUR/USD verlor das Niveau von 1,14, blieb aber vorerst vom wichtigen Unterstützungsbereich bei 1,1325 entfernt. Der DXY-Index kletterte in Richtung der bisherigen Jahreshochs, und USD/JPY stieg auf rund 164 – ein 40-Jahres-Hoch. Die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Iran wird voraussichtlich bis zum Wochenende eine dominierende Rolle spielen. Selbst hochkarätige Daten wie die Einkaufsmanagerindizes für Juli, die wahrscheinlich die Erholung der Energiepreise widerspiegeln werden, könnten bei ausbleiben einer größeren Überraschung ignoriert werden. Die Märkte sind auf eine weitere Eskalation der US-Streitkräfte vorbereitet, nachdem die Berichte vom Vortag veröffentlicht wurden.

Ausblick und Anleihe- und Währungsmarktentwicklungen

Ein Wochenschlusskurs von Brent über 100 US-Dollar wäre ein wichtiges Signal. Besondere Aufmerksamkeit gilt den veredelten Ölprodukten, insbesondere Diesel. Die Raffineriekapazitäten wurden stark beeinträchtigt (auch in Russland), was die Preise für die wichtigste Energiequelle der Industrie noch stärker in Richtung von Ölpreisen um 140 bis 150 US-Dollar treibt. Eine vorsichtige Marktmeinung impliziert eine bärische Haltung bei Kernanleihen und eine bullische Haltung beim Dollar.

Im Handelsbereich verhängte die Trump-Administration Zölle von 10-12,5% auf Waren aus rund 60 Nationen, darunter die EU, die den temporären globalen Zolltarif von 10% ersetzen, der heute ausläuft. Dennoch besteht erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der Auswirkungen auf Länder, die inzwischen Handelsabkommen mit den USA geschlossen haben. Insbesondere für die EU, die einer Obergrenze von 15% zugestimmt hat, ist unklar, ob die neuen Zölle addiert werden, diese ersetzen oder der 15%-Deckelung unterliegen.

Japanische Inflation und BoJ-Ausblick

Die japanische Inflation, bereinigt um frische Lebensmittel, stieg im Juni zum ersten Mal seit drei Monaten von 1,4% im Mai auf 1,6% im Jahresvergleich. Die Kernrate, ohne frische Lebensmittel und Energie, fiel jedoch von 1,8% im Mai auf 1,7%. Die Lebensmittelpreise blieben auf Monatsbasis stabil, aber die jährlichen Preise sanken von 3,5% auf 3,2%. Die Energiepreise, die noch staatlichen Subventionen unterliegen, lagen im Jahresvergleich leicht negativ (-0,1%), aber die negativen Werte der Vormonate (z.B. -2,5% im Juni) lassen allmählich nach. Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei den Energiepreisen für Haushalte. Die Preise für Haushaltswaren (2,4% y/y) und medizinische Versorgung (1,3% gegenüber 0,0%) stiegen ebenfalls im Vergleich zum Mai. Die Dienstleistungsinflation verlangsamte sich von 1,4% auf 1,2%.

Diese Daten sind eine letzte Eingabe für die geldpolitische Sitzung der Bank of Japan (BoJ) am kommenden Freitag. Aus informierten Kreisen heißt es, dass die BoJ wahrscheinlich ihre Warnung bezüglich eines Übersteigens des 2%-Inflationsziels beibehalten wird. Gleichzeitig wird jedoch signalisiert, dass sich die Risiken in den letzten drei Monaten nicht wesentlich erhöht haben. Die Zentralbank wird einen neuen vierteljährlichen Ausblick als Referenz für ihre geldpolitische Ausrichtung bereithalten. Der schwache Yen wird ein wichtiger Faktor in der Debatte sein, zumal USD/JPY heute Morgen knapp unter 164 notierte. Dennoch wird allgemein erwartet, dass die BoJ ihren Leitzins bei 1% belässt und die Märkte auf eine nächste Zinserhöhung im letzten Quartal dieses Jahres setzen.

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