US-Arbeitsmarktdaten und KI-Gewinne treiben Anleger um
Arbeitsmarktdaten im Fokus amid Fed-Unsicherheit
Nach der jüngsten Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed rückt der Blick der Märkte nun auf den mit Spannung erwarteten Arbeitsmarktbericht (Nonfarm Payrolls, NFP) für Juli. Dieser soll weitere Hinweise auf die künftige Zinspolitik geben. Doch nicht nur in den USA stehen Beschäftigungszahlen im Kalender: Auch Kanada und Neuseeland veröffentlichen ihre neuesten Arbeitsmarktdaten. Ergänzt wird die Datenflut durch chinesische Handelszahlen und japanische Lohndaten. Dennoch dürften die Schlagzeilen aus dem Iran und dem Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) weiterhin die bestimmende Kraft für die Risikobereitschaft der Anleger bleiben.
Die Fed hat mit ihrer jüngsten Sitzung die Märkte eher verwirrt als für Klarheit gesorgt. Angesichts der anhaltenden Debatte darüber, wann Zinserhöhungen angemessen sein könnten, stehen die Juli-Beschäftigungszahlen im Mittelpunkt einer ansonsten eher ereignisarmen Woche. Die Spannungen im Nahen Osten und die schwachen Gewinne an der Wall Street tragen zudem zur anhaltenden Volatilität bei. Die Politik der Fed, insbesondere die Abschaffung der Forward Guidance durch Fed-Chef Kevin Warsh, hat zu widersprüchlichen Botschaften über die zukünftige Ausrichtung geführt. Einerseits deutete Warsh eine mögliche Zinserhöhung im September an, andererseits vermied er klare Signale, dass höhere Zinsen zur Rückkehr der Inflation zum 2%-Ziel notwendig seien. Die Markterwartungen für eine Zinserhöhung im September sind von nahezu 100 % auf nur noch rund 65 % gefallen. Die Anleihemärkte reagierten verhalten, der Zinssatz für 30-jährige US-Staatsanleihen erreichte den höchsten Stand seit 2007.
Wirtschaftsindikatoren und KI-Sektor im Blick
Die kommende Woche bringt eine Fülle von Arbeitsmarktdaten, die die Debatte um eine Zinserhöhung im September weiter anheizen dürften. Zuvor werden die Einkaufsmanagerindizes (ISM) der Verarbeitenden Industrie (Montag) und des Dienstleistungssektors (Mittwoch) Einblicke in die wirtschaftliche Verfassung geben. Insbesondere wird beobachtet, ob die Spannungen im Nahen Osten und die Unterbrechung des Verkehrs durch die Straße von Hormuz zu neuen Preisdrucksteigerungen im Juli geführt haben. Weitere wichtige Daten sind die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe (Dienstag) sowie die JOLTS-Stellenangebote. Am Mittwoch liefert der ADP-Bericht erste Hinweise auf die offiziellen Zahlen, gefolgt von den Entlassungszahlen (Challenger Layoffs) am Donnerstag.
Am Freitag rücken dann die mit Spannung erwarteten Nonfarm Payrolls in den Fokus. Nach einem enttäuschenden Wert von nur 57.000 neuen Stellen im Juni erwarten Analysten für Juli eine leichte Verbesserung auf 91.000. Die Arbeitslosenquote soll von 4,2 % auf 4,3 % gestiegen sein. Ein Wert über 100.000 würde die Zuversicht in den Arbeitsmarkt stärken und die Erwartungen an eine Zinserhöhung im September befeuern. Eine zweite enttäuschende Veröffentlichung in Folge würde jedoch Zweifel an der Stärke der Einstellung aufkommen lassen und die Zinserhöhungserwartungen dämpfen.
Trotz möglicher Schwächen am Arbeitsmarkt dürften diese kaum Anlass zur Sorge für die Gesamtwirtschaft geben. Angesichts der von Fed-Vertreter Kevin Warsh gelobten „beeindruckenden Widerstandsfähigkeit“ der Wirtschaft und starker Unternehmensgewinne im zweiten Quartal könnten schwächere Arbeitsmarktdaten sogar positiv für die Risikobereitschaft aufgenommen werden, da sie die Zinserhöhungserwartungen weiter senken würden – allerdings auf Kosten des US-Dollars. Dennoch reichen selbst glänzende Gewinne, besonders in Zeiten erhöhter geopolitischer und handelspolitischer Reibungen, nicht aus, um die Sorgen vor einer KI-Blase zu zerstreuen. Zweifel an Überinvestitionen und deren Finanzierung belasten die Stimmung bei KI-bezogenen Aktien. Angesichts bereits hoher Bewertungen ist die Messlatte für tatsächliche und erwartete Gewinne hoch gelegt.
Der Ausverkauf könnte jedoch übertrieben gewesen sein, insbesondere bei Halbleiteraktien, und eine Erholung scheint im Gange. Angesichts der Tatsache, dass die Volatilität teilweise durch die zweifelhafte Regulierung des südkoreanischen Aktienmarktes, wo die Chipriesen SK Hynix und Samsung gelistet sind, verschärft wurde, könnte eine weitere Erholung folgen, wenn die anstehenden KI-Gewinnberichte weiterhin robustes Umsatzwachstum signalisieren. Zu den Höhepunkten zählen Berichte von Palantir Technologies (Montag), SpaceX und Advanced Micro Devices (Dienstag) sowie Sandisk Corporation und Western Digital (Mittwoch).
Divergierende Zinsausblicke bei BoC und RBNZ
Zurück zu den Wirtschaftsdaten: In Kanada und Neuseeland steht die Beschäftigung im Vordergrund. Beide Länder verzeichnen seit 2023 einen Anstieg der Arbeitslosenquoten, doch die Inflationsentwicklung unterscheidet sich. Die neuseeländische Zentralbank (RBNZ) erhöhte im Juli die Zinsen, um die stark gestiegene Inflation von 4,1 % im zweiten Quartal einzudämmen. In Kanada waren die Inflationsraten indes moderater, sodass die Bank of Canada (BoC) möglicherweise die einzige große Zentralbank bleibt, die während der Nahost-Konflikte keine Zinserhöhung vornimmt. Die Arbeitsmarktdaten vom Freitag dürften die Zinsausblicke der BoC kaum verändern; Auswirkungen auf den kanadischen Dollar wären wohl kurzfristiger Natur. Die neuseeländischen Arbeitsmarktdaten am Mittwoch könnten für die Zinswetten auf die RBNZ hingegen bedeutsamer sein. Eine weitere Zinserhöhung im September ist bereits vollständig eingepreist. Zeigt der Arbeitsmarkt jedoch nur zaghafte Erholungszeichen, könnte eine erneute Verschlechterung im zweiten Quartal die RBNZ zu einer Verzögerung weiterer Straffungen veranlassen und den neuseeländischen Dollar belasten.
Yen profitiert von Intervention, BoJ bleibt passiv
Nachdem der Yen wiederholt das Niveau von 164 pro Dollar getestet hatte, griff die japanische Regierung am Donnerstag ein und stützte die Währung auf rund 158,00 pro Dollar. Die Intervention erfolgte, obwohl der Yen bereits durch die widersprüchlichen Signale der Fed bezüglich möglicher Zinserhöhungen etwas Entlastung erfahren hatte. Die Bank of Japan (BoJ) beließ die Zinsen zwar unverändert, zeigte jedoch eine hawkishe Neigung und äußerte sich besorgter über ein mögliches Überschießen der zugrunde liegenden Inflation über das 2%-Ziel hinaus. Lohndaten und Daten zum privaten Konsum, die am Mittwoch bzw. Freitag veröffentlicht werden, könnten die Argumente für eine vorzeitige Zinserhöhung der BoJ von Dezember auf September oder Oktober stärken, wie von Investoren erwartet. Die BoJ betrachtet nachhaltige Lohnerhöhungen, gestützt durch starken Konsum, als entscheidend für die nachhaltige Erreichung ihres Inflationsziels. Fortschritte in diesem Bereich wären daher positiv für den Yen.
Dennoch bleibt das Risiko weiterer Interventionen hoch, da starke US-Daten den Yen leicht wieder ins Rutschen bringen könnten. Hinzu kommen die Schlagzeilen aus dem Nahen Osten, wo eine Einigung zwischen den USA und dem Iran fern scheint und weitere Eskalationen wahrscheinlicher sind als eine Deeskalation. Die am Freitag veröffentlichten chinesischen Handelszahlen werden ebenfalls zur Marktstimmung beitragen, während Investoren die Auswirkungen des fünfmonatigen Krieges auf die großen Volkswirtschaften bewerten.
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