US-Inflationsdaten und robuste Konjunktur: Was bedeutet das für die Fed? - Forex | PriceONN
US-Inflationsdaten im Mai zeigten eine anhaltende Teuerung, während Wirtschaftsindikatoren auf eine robuste US-Konjunktur hindeuten. Dies bestärkt die Fed in ihrem Inflationsbekämpfungs-Kurs.

US-Inflationsdaten bestätigen Fed-Kurs trotz robuster Wirtschaft

Die am Vortag veröffentlichten US-Inflationsdaten für Mai, insbesondere die vom Bureau of Economic Analysis (BEA) bevorzugten PCE-Deflatoren, lieferten eine deutliche Realitätsprüfung. Angesichts der anhaltenden Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft und des Arbeitsmarktes hat die Federal Reserve (Fed) in der vergangenen Woche unmissverständlich ihre Verpflichtung zur Preisstabilität bekräftigt. Die PCE-Daten lagen weitgehend im Rahmen der Erwartungen. Der Headline PCE-Deflator stieg im Monatsvergleich um 0,4%, was den ersten Wert über 4% seit April 2023 darstellt.

Die zugrunde liegende Inflation, bereinigt um volatile Energie- und Nahrungsmittelpreise, legte ebenfalls zu. So erhöhte sich der Kern-PCE-Deflator monatlich um 0,3% und jährlich um 3,4%, eine leichte Verschlechterung gegenüber den 3,3% des Vormonats. Die Details offenbaren eine Beschleunigung der Inflation bei Gütern von 4,4% auf 4,8% im Jahresvergleich und bei Dienstleistungen von 3,5% auf 3,8%. Insbesondere die Dienstleistungsinflation ohne Berücksichtigung der Wohnkosten (Shelter) lag bei 3,9% jährlich und damit weiterhin deutlich vom 2%-Ziel der Fed entfernt.

Wirtschaftsaktivität übertrifft Erwartungen

Parallel zu den Inflationsdaten bestätigten die jüngsten Wirtschaftsindikatoren eine bemerkenswerte Resilienz der US-Ökonomie. Die Einkommens- und Konsumdaten für Mai zeigten mit jeweils einem Anstieg von +0,7% deutlich besser als erwartete Ergebnisse. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung verharrten auf einem niedrigen Niveau von 215.000, und die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter zeigten sich ebenfalls solide. Selbst die US-BIP-Daten für das erste Quartal wurden nach oben revidiert, von ursprünglich 1,6% auf nun 2,1% auf annualisierter Quartalsbasis (Q/Qa). Aktuelle Prognosen deuten auf ein robustes Wachstum im zweiten Quartal hin, mit einem von KBC Nowcast geschätzten Wert von 2,74% (Q/Qa). Dies signalisiert, dass die US-Wirtschaft über ihrem Potenzial wächst.

Diese Datenlage verstärkt die Argumentation der Fed, der Inflation Priorität einzuräumen, wie von Fed-Chef Warsh angedeutet. Ein Teil der Marktanpassungen hatte jedoch bereits Ende letzter Woche und Anfang dieser Woche stattgefunden. Die US-Zinskurve steilte sich leicht auf, wobei die Renditen zweijähriger Staatsanleihen um 2,3 Basispunkte nachgaben, während die Renditen 30-jähriger Anleihen um 2,1 Basispunkte zulegten. Die Aktienmärkte zeigten ein uneinheitliches Bild, trotz der hervorragenden Quartalsergebnisse von Micron am Mittwochabend. Die positive Reaktion auf diese Nachricht wurde durch Apples Ankündigung von Preiserhöhungen für mehrere seiner Flaggschiffprodukte – bedingt durch höhere Kosten für Speicherchips – sowie durch Gerüchte über eine Verzögerung des geplanten Börsengangs von OpenAI gedämpft. Der S&P 500 schloss nach einem nervösen Handel moderat im Minus (-0,46%).

Globale Märkte und Ausblick

Auch die deutschen Zinskurven verzeichneten nur geringe Veränderungen, mit Renditerückgängen von 1 bis 2,5 Basispunkten über die gesamte Laufzeitstruktur. Die Atempause bei der Neupositionierung der US-Renditen spiegelte sich auch im US-Dollar wider. Nach dem Durchbrechen wichtiger Widerstandsniveaus zu Wochenbeginn stieß die Rallye des Dollars auf Gegenwind (DXY bei 101,43, EUR/USD bei 1,1370).

Das Risikostimmung in Asien drehte am Morgen wieder ins Negative. Der japanische Nikkei fiel um 4,5%, und der südkoreanische Kospi gab 7% nach, da die Unsicherheit wieder zunahm. In diesem risikoscheuen Umfeld tendieren auch die US-Renditen und der Dollar leicht nach unten (EUR/USD bei 1,138, USD/JPY bei 161,6). Im weiteren Tagesverlauf dürfte die Risikostimmung der dominierende Faktor für den globalen Handel bleiben. Von den Wirtschaftsdaten sind die Inflationserwartungen der EZB für Mai sowie die Konsumklimadaten der University of Michigan (die ebenfalls Inflationserwartungen enthalten, aber als Endwert) von Interesse, auch wenn keine bahnbrechenden 'Gamechanger' erwartet werden.

Japanische Inflation und Handelsbeziehungen

Die Preise in der japanischen Hauptstadt blieben im Juni auf Headline-Niveau stabil, stiegen aber im Jahresvergleich von 1,4% auf 1,7%. Beide Kernmaßnahmen erhöhten sich monatlich um 0,1%. Der Kern-CPI exklusive frischer Lebensmittel stieg von 1,3% auf 1,6% jährlich. Bereinigt um Energie und frische Lebensmittel lag die Rate bei 1,9% gegenüber 1,6%. Die Headline-Zahl wurde durch Maßnahmen zur Begrenzung der Benzinpreise und eine temporäre Gebührenermäßigung für Wasser verzerrt. Die heutigen Tokioter Zahlen sind ein früher Indikator für die nationalen Inflationszahlen, die am 24. Juli veröffentlicht werden. Sie untermauern weiterhin die Erwartung einer Fortsetzung des schrittweisen geldpolitischen Normalisierungszyklus der Bank of Japan (BoJ). Die japanischen Geldmärkte preisen derzeit eine Zinserhöhung bis zur Dezember-Sitzung ein.

Die EU-Mitgliedstaaten stimmten für eine Verlängerung der Aussetzung von Vergeltungszöllen auf US-Güter im Zusammenhang mit dem Boeing-Airbus-Streit. Dies betrifft amerikanische Produkte im Wert von rund 4 Milliarden US-Dollar, darunter Flugzeuge, Tabak und Spirituosen. Die Entscheidung verlängert einen seit 2021 bestehenden Waffenstillstand, wobei die genaue Dauer noch diskutiert wird. Diese Maßnahme trägt zur Glättung der transatlantischen Handelsbeziehungen bei, da die EU-Mitgliedstaaten auch dem im letzten Jahr erzielten Handelsabkommen mit den USA vor der von US-Präsident Trump gesetzten Frist am 4. Juli zugestimmt haben. Im Rahmen des Abkommens verpflichtet sich die EU zur Abschaffung von Zöllen auf eine breite Palette amerikanischer Industrieprodukte und zur weiteren Öffnung ihres Marktes für Agrarerzeugnisse und Meeresfrüchte aus den USA.

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