Wöchentlicher Wirtschaftsüberblick: Amerikas Sonderstellung im Fokus
Kanada: CUSMA-Frist verstrichen, Wirtschaft wächst robust
Die Frist für die Verlängerung des CUSMA-Abkommens am 1. Juli ist ohne größere Überraschungen verstrichen. Dieses Ergebnis war seit Längerem absehbar, sodass der Status quo bezüglich US-Zöllen auf kanadische Exporte weitgehend bestehen bleibt. Kanadas Wirtschaft zeigte im April eine bemerkenswerte Erholung und dürfte auch im Mai weiter gewachsen sein. Analysten gehen davon aus, dass das BIP-Wachstum im zweiten Quartal auf annualisierter Basis über 2% liegen wird, was die Sorgen vor einer Rezession abschwächt. Sinkende Ölpreise dürften die kurzfristige Inflation dämpfen. Gleichzeitig deuten die zugrunde liegende wirtschaftliche Kapazität und die kontrollierten Kerninflationsdrücke darauf hin, dass die Bank of Canada ihre Zinssätze unverändert lassen wird. Die jüngsten BIP-Zahlen für April, die einen Anstieg von 0,5% gegenüber dem Vormonat verzeichneten, waren die stärksten seit Juli 2025 und trugen dazu bei, die Rezessionsdebatte zu beruhigen. Trotzdem bleiben die Zölle auf Sektoren wie Stahl, Aluminium und Autos bestehen, und die jährlichen Überprüfungen des Abkommens könnten weiterhin Unsicherheiten mit sich bringen. Die Produktions-BIP-Daten zeigten in den letzten drei Monaten bis April eine positive Entwicklung, was auf eine Erholung im verarbeitenden Gewerbe hindeutet.
Die kanadischen Anleiherenditen stiegen im Laufe der Woche, gaben aber zum Wochenschluss leicht nach. Der kanadische Dollar verharrte bei etwa 0,70 US-Dollar, nachdem er seit Mai unter Druck stand. Die jüngsten Rückgänge der Ölpreise sind für die Inflationsentwicklung erfreulich. Die globalen Lagerbestände wurden während des Konflikts abgebaut, und die Sommersaison dürfte die Nachfrage nach Öl ankurbeln. Dennoch gehen wir davon aus, dass die Ölpreise ihren Höhepunkt überschritten haben. Die Bank of Canada wird diese Entwicklung begrüßen. Die für die kommende Woche anstehenden Daten, darunter der Business Outlook Survey (BOS) der Bank of Canada und die Arbeitsmarktdaten für Juni, werden genau beobachtet. Der vorherige BOS deutete auf eine Anpassung der Unternehmen an den Handelskonflikt hin, während die kanadische Beschäftigung im Mai stark anstieg.
USA: Außergewöhnliche Stärke und bullische Marktentwicklung
Während Amerika sich dem 250. Jahrestag nähert, erlebten die Finanzmärkte im ersten Halbjahr 2026 eine bemerkenswerte Rallye. Der S&P 500 stieg um 9,5%, während der Dow Jones sogar um knapp 13% zulegte. Diese Performance übertrifft die des Vorjahres deutlich und wird maßgeblich durch den Hype um künstliche Intelligenz und die erwarteten Produktivitätssteigerungen angetrieben. Darüber hinaus hat die „amerikanische Ausnahmeregelung“ im Handel den Aktienmärkten zusätzlichen Rückenwind verliehen. Das US-Wachstum wird für 2026 auf über 2% geschätzt, ein Vielfaches des Wachstums anderer G7-Nationen. Die Risiken für die US-Wirtschaft scheinen sich eher nach oben zu verschieben. Ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran hat die Energiepreise schnell auf das Vorkonfliktniveau zurückgeführt, was die Benzinpreise senkte und dem Verbraucher zugutekommt.
Der Arbeitsmarkt hat sich nach einer schwächeren Phase im letzten Jahr deutlich erholt. Die Nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigungszahlen stiegen im Juni um 57.000, was zwar eine Moderation darstellt, aber dennoch ein solides Ergebnis ist. Die durchschnittliche Einstellungsrate der letzten drei und sechs Monate liegt mit 111.000 bzw. 92.000 deutlich über der Gewinnschwelle. Dies trug dazu bei, die Arbeitslosenquote auf ein Zwölfmonatstief von 4,2% zu drücken. Bemerkenswert ist ein starker Rückgang der Erwerbsbevölkerung um über 800.000 Personen im erwerbsfähigen Alter (25-54 Jahre), dessen Ursachen noch unklar sind. Weitere Daten bestätigten die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit: Die Kfz-Verkäufe erreichten im Juni mit 16,5 Millionen Einheiten ein Neunmonatshoch, und der ISM Manufacturing Index verharrte den sechsten Monat in Folge im Expansionsbereich. Sowohl Produktion als auch Neuaufträge wachsen solide. Die Inputpreise sind zwar weiterhin erhöht, aber der Teilindex fiel auf ein Vier Monatstief, was darauf hindeutet, dass der Höhepunkt der Kostensteigerungen infolge der Energieschocks überschritten ist. Dies ist eine gute Nachricht für die Fed, die nach Anzeichen einer Inflationsverlangsamung sucht. Fed-Gouverneur Warsh bekräftigte die Entschlossenheit der Zentralbank zur Preisstabilität, vermied jedoch konkrete Ausblicke. Angesichts der jüngsten Daten und der gesunkenen Energiepreise sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Sommer.
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