Bank of England hält Leitzins stabil bei 3,75%
Geldpolitik der Bank of England: Leitzins bleibt unverändert
Der geldpolitische Ausschuss (MPC) der Bank of England hat auf seiner Sitzung am 17. Juni 2026 mit einer Mehrheit von 7 zu 2 Stimmen beschlossen, den Leitzins (Bank Rate) auf dem Niveau von 3,75% zu halten. Zwei Mitglieder stimmten für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf 4%. Diese Entscheidung spiegelt die komplexe Gemengelage wider, die von fallenden globalen Energiepreisen, aber auch von anhaltender Volatilität und Unsicherheiten hinsichtlich der Auswirkungen auf die britische Wirtschaft geprägt ist.
Seit der letzten Sitzung sind die globalen Energiepreise gesunken, was auf Ereignisse im Nahen Osten zurückzuführen ist. Dennoch liegen sie weiterhin über dem Vorkriegsniveau und zeigen sich volatil. Die genauen Auswirkungen dieses Energieschocks auf die britische Wirtschaft sind noch unklar. Die Geldpolitik kann die Energiepreise zwar nicht direkt beeinflussen, zielt aber darauf ab, die wirtschaftliche Anpassung so zu gestalten, dass das Inflationsziel von 2% nachhaltig erreicht wird. Die hierfür notwendige geldpolitische Ausrichtung wird von der Intensität und Dauer des Schocks sowie dessen Ausbreitung in der Wirtschaft abhängen.
Die Verbraucherpreisinflation (CPI) ist seit der Vorbesprechung auf 2,8% gefallen. Allerdings wird erwartet, dass sie im weiteren Jahresverlauf wieder ansteigen könnte, da die Effekte höherer Energiepreise weiterhin durchschlagen. Die Gefahr von Zweitrundeneffekten bei Preis- und Lohnfestsetzungen, denen die Politik entgegenwirken muss, steigt mit der Dauer anhaltend hoher Energiepreise. Dem steht jedoch eine Lockerung des Arbeitsmarktes und Anzeichen einer nachlassenden Konjunktur gegenüber, die inflationäre Tendenzen eindämmen könnten. Die für Haushalte und Unternehmen geltenden Zinssätze sind weiterhin höher als vor dem Konflikt, was langfristig zur Inflationsbekämpfung beitragen wird.
Analyse der globalen und britischen Wirtschaftsbedingungen
Der geldpolitische Ausschuss erörterte die jüngsten Entwicklungen der globalen und britischen Wirtschafts- und Finanzbedingungen sowie deren potenzielle Auswirkungen auf den mittelfristigen Ausblick und die Strategie des Ausschusses. Die globalen Energiepreise, insbesondere für Brent-Rohöl und britisches Erdgas, sind seit der letzten Sitzung gesunken. Der Durchschnittspreis für Brent-Rohöl lag seit dem geldpolitischen Bericht vom April bei 100 US-Dollar pro Barrel, während der Preis für britisches Erdgas 116 Pence pro Therm betrug. Dies steht im Kontrast zu den Preisen von 66 US-Dollar pro Barrel bzw. 87 Pence pro Therm vor dem Februar-Bericht. Kurz vor der Juni-Sitzung angekündigte Friedensgespräche im Nahen Osten führten zu einem Rückgang der Öl- und Gaspreise auf etwa 79 US-Dollar pro Barrel bzw. 100 Pence pro Therm.
Die Risiken für die Energiepreise bleiben bestehen. Zwar gab es einige abfedernde Maßnahmen, wie die koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven durch die Internationale Energieagentur, und eine Umstellung auf Kohle sowie eine Nachfragereduzierung aufgrund hoher Preise, insbesondere in Asien. Die Unsicherheit über die Dauer dieser Effekte und die Aufrechterhaltung der Energielieferungen aus dem Nahen Osten bleibt jedoch bestehen. Auch die Preise für Ölprodukte und breitere Rohstoffe sowie Anzeichen von globalen Lieferkettenunterbrechungen, wie gestiegene Schiffskostenindizes, sind weiterhin über dem Vorkriegsniveau.
Die Finanzierungsbedingungen für Haushalte und Unternehmen haben sich durch einen deutlichen Anstieg der kurzfristigen Overnight-Index-Swap-Sätze (OIS) verschärft. Britische Zwei-Jahres-OIS-Sätze liegen derzeit rund 70 Basispunkte über dem Vorkriegsniveau. Dies hat sich vollständig auf die wichtigsten Kreditzinsen für Haushalte und Unternehmen durchgeschlagen, wobei die Zinssätze für Zwei-Jahres-Festzinskredite bei Hypotheken um etwa 80 Basispunkte gestiegen sind. Die Renditen von britischen Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating erhöhten sich um rund 50 Basispunkte.
Die Erwartungen der Marktteilnehmer, wie sie in der "Market Participants Survey" (MaPS) widergespiegelt werden, sahen eine Beibehaltung des Leitzinses für die aktuelle Sitzung und für das kommende Jahr vor. Dies stellt eine Straffung um etwa 50 Basispunkte im Vergleich zu den Erwartungen vor dem Konflikt dar, als Zinssenkungen erwartet wurden. Die britische kurzfristige Zinskurve zeigt jedoch einen Aufwärtstrend über das kommende Jahr. Die erhöhte Volatilität an Energie-, inflationsgebundenen und Zinsmärkten korreliert mit dem Konflikt. Die OIS-Kurve in Großbritannien schwankt weiterhin, liegt aber konstant deutlich über der Vorkriegskurve. Die Ankündigung eines Friedensabkommens trug zu einer Verschiebung der OIS-Kurve bei, mit einem Aufwärtstrend von rund 30 Basispunkten bis Ende 2026. Modelle des Personals der Bank deuten darauf hin, dass dieser Aufwärtstrend größtenteils auf Risikoprämien zurückzuführen ist.
Ausblick und geldpolitische Erwägungen
Die zwölfmonatige CPI-Inflation lag im Mai bei 2,8%, unverändert gegenüber April, aber niedriger als im März (3,3%). Die jüngsten Daten lagen 0,4 Prozentpunkte unter der Prognose aus dem April-Bericht. Der Energieschock hat bereits zu einem Anstieg der CPI-Inflation geführt, insbesondere durch die anfänglichen Kraftstoffpreissteigerungen. Die Energiepreise bleiben volatil. Basierend auf den Energiepreisen vom 15. Juni wird die CPI-Inflation im dritten Quartal 2026 voraussichtlich knapp unter 3% liegen und im vierten Quartal auf etwas über 3,25% ansteigen. Dies liegt unter der Erwartung aus dem April-Bericht.
Die monatlichen BIP-Daten zeigten im April einen Rückgang um 0,1%, was mit einer teilweisen Umkehrung der Aktivitätsstärke im ersten Quartal übereinstimmt. Der britische Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe und Dienstleistungen fiel im Mai erstmals seit über einem Jahr unter die Marke von 50 Punkten. Die Arbeitslosigkeit sank im Dreimonatszeitraum bis April auf 4,9%. Die Beschäftigung wuchs leicht, aber das zugrundeliegende Beschäftigungswachstum blieb nahe Null. Die Zahl der offenen Stellen ging weiter zurück, während die Kündigungsrate ebenfalls sank. Diese Daten deuten auf eine allmähliche Lockerung des Arbeitsmarktes hin.
Der Konflikt im Nahen Osten und seine Auswirkungen auf die Energiepreise bleiben die dominierende Unsicherheitsquelle für den Inflationsausblick. Die Geldpolitik kann die globalen Energiepreise nicht beeinflussen, aber sie zielt darauf ab, zu verhindern, dass sich die Schockeffekte in breit angelegten inflationären Druck verwandeln und die Inflation auf das 2%-Ziel zurückführt. Die Komiteemitglieder bewerten die Risiken für die Energiepreise weiterhin als nach oben gerichtet. Trotz der jüngsten Friedensgespräche besteht das Risiko anhaltend hoher Preise aufgrund von Lieferverzögerungen und potenzieller Instabilität.
Die derzeitigen Finanzierungsbedingungen sind durch eine erhebliche Straffung gekennzeichnet, die bereits eine dämpfende Wirkung auf die Wirtschaft ausübt. Dies spiegelt teilweise den Wegfall von Zinssenkungserwartungen wider. Ein Teil des Aufwärtstrends der Zinskurve ist auf die anhaltende Unsicherheit über die Dauer des Konflikts und die damit verbundenen Aufwärtsrisiken für die Inflation zurückzuführen. Sieben Mitglieder des Ausschusses befürworteten die Beibehaltung des Leitzinses, während zwei Mitglieder eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte auf 4% bevorzugten. Die Befürworter der Beibehaltung des Zinssatzes verwiesen auf die Fortschritte bei der zugrundeliegenden Deflation vor dem Konflikt und die nachlassende Dynamik am Arbeitsmarkt. Die Gegner einer Zinserhöhung äußerten Bedenken hinsichtlich der Unsicherheit über die Zweitrundeneffekte und bevorzugten eine risikomanagementorientierte Erhöhung, um die Inflationserwartungen zu verankern.
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