Markterholung: Friedensabkommen im Nahen Osten treibt Aktien und Rohstoffe an
Markterholung nach Friedensabkommen
Die Finanzmärkte atmen auf. Nach Monaten der Eskalation haben die USA und der Iran eine Friedensvereinbarung verkündet, die unverzüglich die Feindseligkeiten beenden soll. Dies ebnet den Weg für die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz und die schrittweise Normalisierung der Ölströme. Investoren reagierten prompt: Die kriegsbedingte Risikoprämie, die die Märkte über Monate geprägt hat, wird mit bemerkenswerter Geschwindigkeit abgebaut.
Die Reaktion war unmittelbar und dramatisch. Brent-Rohöl fiel zum Wochenauftakt und rutschte unter USD 83. Händler preisen eine Zukunft mit geringeren Lieferunterbrechungen und niedrigeren Energiekosten ein. Weltweit schossen Aktien in die Höhe, angeführt von einem 5%igen Sprung des japanischen Nikkei auf ein Rekordhoch. Europäische Märkte zeigten breite Gewinne, und US-Futures deuteten auf starke Eröffnungen an der Wall Street hin. Bereits vor der formellen Unterzeichnung des Abkommens am Freitag in der Schweiz behandeln Investoren den Frieden als Basis-Szenario.
Auch die Devisenmärkte spiegeln diese Stimmung wider. Der US-Dollar präsentiert sich als schwächste Hauptwährung des Tages, da defensive Positionierungen aufgelöst werden. Der Schweizer Franken und der Euro führen die Gewinne an, während der Australische Dollar von der verbesserten Risikostimmung profitiert. Am anderen Ende des Spektrums gerät der Yen unter Druck, da Investoren sicherere Anlagen meiden. Der kanadische Dollar kämpft indes mit dem scharfen Rückgang der Ölpreise.
Zentralbanken im Fokus: BoJ und RBA leiten die Woche ein
Der Fokus hat sich von geopolitischen Risiken auf die wirtschaftliche Normalisierung verlagert. Diese Verschiebung könnte jedoch nur von kurzer Dauer sein. Während die Schlagzeilen aus dem Nahen Osten verblassen, rückt eine Welle von Zentralbanksitzungen in den Mittelpunkt. Die Federal Reserve bleibt das unangefochtene Hauptthema am Mittwoch, doch der geldpolitische Zyklus beginnt bereits in Asien mit Entscheidungen der Bank of Japan (BoJ) und der Reserve Bank of Australia (RBA).
Von der BoJ wird eine weithin erwartete Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 1,00% erwartet. Entscheidender als die Anhebung selbst dürfte jedoch das sein, was folgt. Da Gouverneur Kazuo Ueda im Krankenhaus liegt, wird der stellvertretende Gouverneur Shinichi Uchida die Pressekonferenz leiten. Märkte dürften hier kaum Klarheit über zukünftige Straffungen erhalten. Ökonomen rechnen zwar mit Zinssätzen von 1,25% später in diesem Jahr und 1,50% im nächsten Jahr, doch eine Bestätigung dieses Pfades könnte erst mit den aktualisierten Prognosen im Juli erfolgen.
Die RBA steht vor anderen Herausforderungen. Nach drei aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen wird eine Pause bei 4,35% erwartet, um zu bewerten, ob bereits genug getan wurde. Die Debatte im Markt ist keineswegs abgeschlossen. Ein Lager glaubt, dass die nachlassende Wirtschaftstätigkeit die Inflation letztendlich ohne weitere Maßnahmen unter Kontrolle bringen wird. Ein anderes Lager verweist auf anhaltende Inflationsdrucke und die zunehmend restriktive Rhetorik von RBA-Vertretern als Beweis dafür, dass weitere Straffungen notwendig sein könnten. Diese Spaltung zeigt sich in den Prognosen der Ökonomen, von denen fast die Hälfte erwartet, dass die Zinsen im laufenden Jahr wieder steigen werden.
Blick auf Gold und weitere Wirtschaftsdaten
Derweil genießen Investoren die Dividende des Friedens. Das nächste Kapitel für die Märkte könnte jedoch in Tokio, Sydney und letztlich in Washington geschrieben werden, wo Zentralbanken entscheiden müssen, ob der durch den Konflikt verursachte Inflationsschock tatsächlich nachlässt. Gold zeigt nach dem Durchbruch in den US-Iran-Beziehungen eine bullische Umkehr. Nach einem Anstieg über 4.300 im Zuge der historischen Vereinbarung nähert sich das Edelmetall dem wichtigen Widerstand bei 4.366. Ein klarer Ausbruch könnte bestätigen, dass der Rückgang von 4.889 beendet ist und der Fokus wieder auf die Höchststände gerichtet wird.
Während die Kriegsgeschichte verblasst, beginnt die Inflationsgeschichte neu. Fünf große Zentralbanken treffen sich diese Woche, wobei der eigentliche Fokus darauf liegt, ob die Fed beginnt, die Märkte auf eine Welt mit zukünftigen Zinserhöhungen vorzubereiten. Die erste Pressekonferenz von Kevin Warsh als Fed-Vorsitzender könnte den Ton für Währungen, Anleiherenditen und Aktien für die kommenden Monate vorgeben. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht trotz des Friedensfortschritts im Iran breitere Inflationseffekte. EZB-Präsidentin Christine Lagarde begrüßte zwar die Vereinbarung zwischen Washington und Teheran, warnte jedoch, dass die energiebedingte Inflation zunehmend auf die Eurozone übergreift. Die Industrieproduktion in der Eurozone stieg leicht um 0,1%, aber die Produktion von Investitionsgütern schwächte sich ab. Die Exporte der Eurozone wuchsen solide, doch die Importe stiegen noch schneller, was die Region von einem Überschuss in ein Defizit drängte. In Neuseeland fiel der BNZ PSI auf 47,5, da die schwache Konsumausgaben die Dienstleistungsschwäche verschärften.
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