Riksbank und Fed erwarten Zinspause – Fokus auf Warshs erste Pressekonferenz
Zentralbanken im Fokus: Fed und Riksbank vor wichtigen Entscheidungen
An diesem wichtigen Handelstag richtet sich die Aufmerksamkeit auf zwei zentrale Banken. In den Vereinigten Staaten wird der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh seine erste Pressekonferenz nach der Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) abhalten. Analysten erwarten einheitlich, dass der Leitzins auf dem aktuellen Niveau von 3,75% verbleibt, was bereits im Markt eingepreist ist. Der eigentliche Fokus wird jedoch auf Warshs geldpolitische Neigungen, seiner Einschätzung der wirtschaftlichen Lage und möglichen Hinweisen auf Veränderungen in der Kommunikation und den operativen Praktiken der Fed liegen. Selbst wenn Warsh eine eher expansive Haltung zeigt, rechnen Marktbeobachter mit einer Verschiebung der Zinsprojektionen nach oben im Vergleich zum März.
Parallel dazu wird in Schweden die Riksbank voraussichtlich ihren Leitzins bei 1,75% unverändert lassen. Hier liegt das Hauptaugenmerk auf dem aktualisierten Zinspfad. Die Basisannahme vieler Ökonomen deutet auf eine höhere Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen in der zweiten Jahreshälfte 2026 hin, mit einem durchschnittlichen Leitzins von 1,9% im vierten Quartal 2026, was weitgehend den Markterwartungen entspricht. Investoren werden die neuen Projektionen und die Kommunikation von Gouverneur Thedéen genau verfolgen, um Signale bezüglich der Wahrscheinlichkeit weiterer Straffungsmaßnahmen zu erhalten. Die Erwartung weiterer Zinsschritte im September und Dezember bleibt bestehen.
Globale Wirtschaftsagenda und Marktreaktionen
Der letzte Tag des G7-Gipfels wird von Diskussionen über die Sicherung kritischer Mineralstofflieferketten dominiert, ein zentrales Thema der französischen Präsidentschaft. Daneben stehen breitere Bemühungen zur Bewältigung globaler wirtschaftlicher Ungleichgewichte im Vordergrund. Frankreichs Vorstoß für eine gemeinsame Erklärung folgt auf die chinesischen Exportbeschränkungen des Vorjahres, die westliche Schwachstellen offenbart hatten. Diskutierte politische Optionen umfassen Preisstützungen, gemeinsame Standards und gezielte Subventionen. Diese Schritte zielen darauf ab, die Abhängigkeit von China zu verringern, ohne einen größeren Handelskonflikt auszulösen.
In der Eurozone werden die endgültigen HICP-Inflationsdaten für Mai veröffentlicht. Die erste Schätzung zeigte eine überraschend starke Dienstleistungsinflation von 0,5% im Monatsvergleich (saisonal bereinigt). Die endgültige Veröffentlichung wird wichtige Details liefern, ob es sich hierbei um eine einmalige Entwicklung oder um eine breitere Inflationsdynamik handelt, was für den Ausblick der EZB von Bedeutung ist. Im Vereinigten Königreich werden die CPI-Daten für Mai vor der BoE-Sitzung am Donnerstag veröffentlicht. Obwohl das Vereinigte Königreich seit Herbst einen Desinflationstrend aufweist, deuten jüngste Einkaufsmanagerindizes (PMI) auf signifikant gestiegene Preisdrucke im Frühjahr hin.
Die Märkte reagierten auf die vorläufige Einigung zwischen den USA und dem Iran mit einer Reduzierung der Öl-Risikoprämie. Brent-Rohöl fiel unter 79 USD pro Barrel, den niedrigsten Stand seit drei Monaten. Dies spiegelt die Erwartung einer möglichen Wiedereröffnung der Straße von Hormuz und eine schwächere physische Nachfrage wider. Die Preise am vorderen Ende der Kurve sind am stärksten gefallen, während Einjahres-Brent-Kontrakte nahe 75 USD gehandelt werden. Schätzungen deuten auf eine etwa 60%ige Wahrscheinlichkeit normalisierten Schiffsverkehrs durch die Straße bis Ende Juli hin. Geringe Lagerbestände und anhaltende geopolitische Risiken könnten jedoch weitere Preisrückgänge begrenzen. Auch die europäischen Erdgaspreise gaben nach.
Wirtschaftliche Indikatoren und Marktstimmung
In Deutschland verbesserte sich die ZEW-Konjunkturerwartung im Juni deutlich auf 10,5 Punkte (von -10,2 im Mai). Dies ist auf eine gestiegene Optimismus unter Investoren hinsichtlich einer Entspannung im Iran-Konflikt und einer moderateren Inflation zurückzuführen. Der Index der aktuellen wirtschaftlichen Lage verschlechterte sich jedoch weiter auf -81,0 Punkte, was zeigt, dass die Einschätzung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse trotz verbesserter Erwartungen sehr schwach bleibt.
Die NIER-Prognose für Schweden deutet auf eine fortgesetzte wirtschaftliche Erholung hin, gestützt durch verbesserte Konsumenten- und Geschäftsstimmung sowie eine steigende Kapazitätsauslastung. Die Preissetzungspläne der Unternehmen lassen vermuten, dass Steuersenkungen die Inflation 2026 dämpfen könnten, bevor Preisdruck allmählich wieder auflebt und die Inflation leicht über, aber nahe dem Ziel der Riksbank bleibt. Diese Umfrageindikatoren sind wichtige Einflussfaktoren für geldpolitische Bewertungen.
Globale Aktienmärkte zeigten sich am Dienstag überwiegend schwächer. US-Märkte gaben Teile der Vortagesgewinne ab, der S&P 500 fiel um 0,6%. Der Stoxx 600 hingegen legte um 0,3% zu, da europäische Märkte aufholten. Insbesondere Technologieaktien entwickelten sich schwach, wobei AMD, Micron und Intel jeweils mehr als 7% verloren. Die Volatilität bei Halbleiter- und Speicheraktien blieb hoch. Dennoch schloss der Philadelphia Semiconductor Index nahe seinen Höchstständen vom frühen Juni und liegt über den letzten Monat hinweg etwa 15% im Plus. Die Marktaktivität deutete trotz der Tech-Schwäche nicht auf eine klassische "Risk-off"-Bewältigung hin; zyklische Sektoren wie Finanzen, Versorger, Industrie und Materialien legten zwischen 0,5% und 1,0% zu. Asiatische Aktien handelten über Nacht höher.
Bei Anleihen und Devisen: Obwohl Brent-Rohöl unter 79 USD fiel, folgten die Renditen am vorderen Ende der Kurve dem Öl nicht nach unten. Die Zinskurven zeigten eine moderate bull-flache Bewegung. Die EUR/USD-Paarung bewegte sich in einer engen Spanne um 1,1600, während Investoren auf Kevin Warshs erste öffentliche Äußerungen als Fed-Vorsitzender warteten. Es wird nicht erwartet, dass Warsh feste Forward Guidance zu künftigen Zinsschritten gibt oder sofortige Änderungen der Bilanzpolitik signalisiert. Für Schweden wird erwartet, dass die Riksbank die Zinsen bei 1,75% belässt, jedoch mit einer Aufwärtsrevision des Leitzinspfades. Die Basisannahme bleibt eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen in der zweiten Jahreshälfte 2026, wobei September und Dezember als bevorzugte Zeitpunkte für weitere Straffungen gelten.
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